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Amadeus übernimmt IPS für 1.2 Milliarden Euro und definiert damit die Zukunft des nahtlosen Reisens neu.

Amadeus
Geschrieben von Jürgen T Steinmetz

Amadeus plant die Übernahme von Idemia Public Security für 1.2 Milliarden Euro und expandiert damit in die Bereiche Biometrie und digitale Identität. Dieser Schritt unterstreicht das Bestreben von Amadeus, die gesamte Reiseabwicklung – von der Buchung bis zur Grenzkontrolle – zu orchestrieren und verdeutlicht gleichzeitig die wachsende strategische Kluft zu Sabre, das sich weiterhin auf den Vertrieb von Flugtickets und Vertriebsplattformen konzentriert.

Die Amadeus IT Group hat ihre Absicht bekannt gegeben, Idemia Public Security (IPS) in einem wegweisenden 1.2 Milliarden Euro schweren Deal zu übernehmen, der die Zukunft der Reisetechnologie und des Passagiererlebnisses weltweit verändern könnte.

Die geplante Übernahme, die am 29. April 2026 bekannt gegeben wurde, unterstreicht die langfristige Strategie von Amadeus, biometrische Identitätsprüfungen in den Kern des Reiseprozesses zu integrieren. Dieser Schritt folgt auf die Akquisition von Vision-Box im Jahr 2024 und signalisiert ein kontinuierliches Engagement im Bereich der Flughafenautomatisierung und sicherer Identitätslösungen.

Die Gestaltung der „unsichtbaren Reise“

Amadeus setzt darauf, dass die nächste Phase der Reiseinnovation darin besteht, Reibungsverluste in jedem einzelnen Schritt der Reise zu minimieren – von der Buchung über das Boarding bis hin zur Grenzkontrolle. Durch die Kombination der biometrischen und Identitätstechnologien von IPS mit seiner bestehenden Reiseplattform will Amadeus das schaffen, was Branchenkenner oft als „unsichtbare Reise“ bezeichnen: Passagiere sollen sich nahtlos und mit minimalem physischen Kontakt durch Flughäfen bewegen können.

IPS verfügt über eine globale Präsenz, mehr als 600 Kunden und Expertise in biometrischen Identifizierungssystemen für Regierungsbehörden, Grenzmanagement und Zutrittskontrollsystemen. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 3,300 Mitarbeiter und positioniert Amadeus damit optimal, seine Präsenz in regulierten Identitätsumgebungen deutlich auszubauen.

Luis Maroto, CEO von Amadeus, betonte die Bedeutung von Biometrie und künstlicher Intelligenz als transformative Technologien: „Biometrie wird schnellere, sicherere und reibungslosere Reiseerlebnisse ermöglichen und gleichzeitig die Identität während der gesamten Reise stärken.“

Erweiterung über traditionelle Reisetechnologien hinaus

Amadeus, traditionell bekannt für seine globalen Vertriebssysteme und IT-Lösungen für Fluggesellschaften, expandiert nun entschieden in den Bereich der physischen Infrastruktur des Reisens. Mit IPS erweitert das Unternehmen seine Reichweite über Fluggesellschaften, Hotels und Reisebüros hinaus auf Flughäfen, Grenzbehörden und Sicherheitssysteme.

Diese Strategie steht im Einklang mit Amadeus' Ziel, sich als umfassender „Orchestrator des Reiseökosystems“ zu etablieren und alle am Passagierverkehr beteiligten Akteure zu vernetzen. Die Integration biometrischer Identitätsdaten in die Systeme von Fluggesellschaften, Flughäfen und Grenzkontrollen soll die Automatisierung beschleunigen, die Sicherheit verbessern und die Abläufe branchenweit optimieren.

Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen und wird voraussichtlich bis Mitte 2027 abgeschlossen sein.


Wettbewerbsumfeld: Wie vergleicht sich das mit der Sabre Corporation?

Der Schritt von Amadeus verdeutlicht eine wachsende strategische Kluft zwischen den beiden größten globalen Anbietern von Reisetechnologie.

Während Amadeus vertikal in die Bereiche biometrische Identität, Flughafensysteme und Grenzkontrolle expandiert, hat Sabre einen anderen Weg eingeschlagen – mit dem Fokus auf die Modernisierung seines Kerngeschäfts, des Reisemarktplatzes und der Vertriebsplattform für Fluggesellschaften.

Sabres Strategie basiert auf ihrer Cloud-nativen Plattform „Mosaic“, die Fluggesellschaften beim Übergang zu angebots- und bestellbasiertem Vertrieb mithilfe künstlicher Intelligenz unterstützen soll. Das Unternehmen hat zudem seine Geschäftstätigkeit optimiert, unter anderem durch den Verkauf des Hospitality-Geschäfts, um sich auf Vertrieb und IT-Lösungen für Fluggesellschaften zu konzentrieren.

Zwei Zukunftsvisionen

  • Amadeus baut ein durchgängiges Ökosystem auf, das sowohl die digitale als auch die physische Reise umfasst und Identität, Sicherheit und Infrastruktur integriert.
  • Säbel setzt verstärkt auf den kommerziellen Aspekt des Reisens – die Art und Weise, wie Reiseprodukte verkauft, vertrieben und personalisiert werden, wird verbessert.

Die Divergenz spiegelt zwei unterschiedliche Einschätzungen darüber wider, wo im nächsten Jahrzehnt des Reisens Wert geschaffen wird.

Die Übernahme von IPS durch Amadeus deutet darauf hin, dass die Kontrolle über Passagieridentität und -bewegungen ebenso wichtig werden könnte wie die Kontrolle über Buchung und Preisgestaltung. Im Erfolgsfall könnte Amadeus sich einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil verschaffen, indem das Unternehmen tiefer in Flughafen- und Regierungssysteme integriert wird – Bereiche, in denen Sabre derzeit nur eine geringe Präsenz hat.


Auswirkungen auf die Branche

Der Deal signalisiert einen umfassenderen Wandel im Reisesektor:

  • Die Einführung biometrischer Verfahren beschleunigt sich, was zu einem zentralen Bestandteil der Flughafenmodernisierung und der Grenzsicherheit geworden ist.
  • Reiseplattformen verschmelzen mit Identitätssystemen.wodurch die Grenze zwischen IT-Anbietern und Infrastrukturbetreibern verschwimmt.
  • Der Wettbewerb entwickelt sich weiter, beschränkt sich nicht mehr nur auf den Vertrieb, sondern erstreckt sich auf den gesamten Lebenszyklus des Reisenden.

Für Fluggesellschaften, Flughäfen und Regierungen ist die Botschaft klar: Die Zukunft des Reisens wird nicht nur davon bestimmt, wohin die Passagiere reisen, sondern auch davon, wie reibungslos und sicher sie dorthin gelangen.

Da Amadeus die biometrische Identitätsprüfung weiter vorantreibt, hat der Wettlauf um die Definition der nächsten Generation von Reiseplattformen eine neue Phase erreicht.

Über die Autorin

Jürgen T Steinmetz

Jürgen Thomas Steinmetz ist seit seiner Jugend in Deutschland (1977) kontinuierlich in der Reise- und Tourismusbranche tätig.
Er gründete eTurboNews 1999 als erster Online-Newsletter für die weltweite Reisetourismusbranche.

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