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Der Flugverkehr zwischen China und Europa erholt sich trotz russischer Flugbeschränkungen.

Air China und China Southern erhalten erste in China hergestellte C919-Jets
Geschrieben von Jürgen T Steinmetz

Europäische Fluggesellschaften nehmen ihre China-Routen trotz längerer und teurerer Flugstrecken aufgrund der russischen Luftraumsperrungen rasch wieder auf. Die starke Nachfrage, Chinas Visapolitik und der Wettbewerbsdruck chinesischer Fluggesellschaften treiben die Erholung an, während nordamerikanische Fluggesellschaften angesichts der schwächeren Nachfrage und anhaltender geopolitischer Spannungen vorsichtig bleiben.

Peking – Europäische Fluggesellschaften bauen diesen Sommer ihre Flüge nach China aus, obwohl sie weiterhin vom russischen Luftraum ausgeschlossen sind. Diese Beschränkung hat seit Beginn des Ukraine-Krieges die Flugzeiten und Betriebskosten deutlich erhöht. Der Schritt spiegelt eine überraschende Erholung der Nachfrage zwischen China und Europa sowie einen sich rasch verändernden geopolitischen Luftfahrtmarkt wider.

Laut dem Luftfahrtdatenunternehmen OAG wird die Anzahl der Direktflüge zwischen China und Europa voraussichtlich von rund 3,011 Flügen im Mai auf über 4,150 im August 2026 steigen und damit deutlich über dem Niveau des letzten Sommers liegen. Europäische Fluggesellschaften wie Air France-KLM, British Airways, Lufthansa, Finnair und Turkish Airlines bauen trotz der betrieblichen Nachteile ihre Kapazitäten aus.

Warum die Fluggesellschaften überhaupt Flüge nach China anbieten

Mehrere Faktoren treiben die Erholung an.

1. Chinas Tourismusnachfrage steigt wieder rasant an.

China hat seit 2023 die visafreie Einreise für viele europäische Länder massiv ausgeweitet und damit die Nachfrage nach Urlaubs- und Geschäftsreisen wieder angekurbelt. Europäische Reisende kehren in chinesische Städte zurück, und auch der chinesische Tourismus nach Europa erholt sich stark.

Führungskräfte von Air France-KLM erklärten kürzlich, die Nachfrage chinesischer Reisender nach Paris und anderen europäischen Zielen sei trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Spannungen weiterhin robust.

2. Der Nahostkonflikt hat die Routen in Südostasien unterbrochen.

Die sich verschärfende Sicherheitslage im Iran und Teilen des Nahen Ostens hat den Betrieb einiger Flugkorridore zwischen Europa und Südostasien erschwert und verteuert. Analysten zufolge verlagern Fluggesellschaften ihre Flüge auf Strecken nach China, die trotz der Umwege über Russland weiterhin wirtschaftlich attraktiv sind.

3. Europäische Fluggesellschaften befürchten den endgültigen Verlust des chinesischen Marktes.

Chinesische Fluggesellschaften haben sich einen bedeutenden strukturellen Vorteil verschafft, da sie weiterhin über Russland fliegen können. Dies ermöglicht es Fluggesellschaften wie Air China, China Eastern Airlines und China Southern Airlines, kürzere, günstigere und schnellere Strecken nach Europa anzubieten.

Branchenschätzungen zufolge kontrollieren chinesische Fluggesellschaften mittlerweile mehr als 80 Prozent der Kapazität im Europa-China-Verkehr außerhalb der Russland-bezogenen Verkehrsströme, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Niveau vor der Pandemie.

Europäische Fluggesellschaften scheinen zunehmend bereit zu sein, geringere Gewinnmargen in Kauf zu nehmen, nur um ihre Marktpräsenz, Start- und Landerechte sowie Geschäftsbeziehungen in China aufrechtzuerhalten.

Die wirtschaftlichen Folgen sind schmerzhaft.

Europäische Fluggesellschaften sehen sich weiterhin erheblichen Nachteilen gegenüber:

  • Längere Umleitungen um den russischen Luftraum
  • Höherer Kraftstoffverbrauch
  • Erhöhte Personalkosten
  • Reduzierte Flugzeugauslastung
  • Höhere Ticketpreise

Die Preise für Flugzeugtreibstoff sind aufgrund der Instabilität im Nahen Osten ebenfalls stark gestiegen, was die Kostenbelastung noch verschärft hat.

Bei einigen Fluggesellschaften können Flüge nach China mittlerweile mehrere Stunden länger dauern als vergleichbare Flüge chinesischer Anbieter auf denselben Strecken.

Finnair gehört zu den am stärksten betroffenen Fluggesellschaften, da ihre traditionelle Asienstrategie stark auf kurzen Polarrouten über Russland basierte. Die Airline hat die letzten Jahre damit verbracht, ihr Streckennetz auf Indien, Südostasien und den Nordatlantik auszurichten.

Gilt das Gleiche auch für Nordamerika?

Teilweise – aber nicht im gleichen Maße.

Nordamerikanische Fluggesellschaften sehen sich auf ihren China-Routen ähnlichen russischen Luftraumbeschränkungen gegenüber, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind jedoch unterschiedlich.

Gemeinsamkeiten

Ähnlich wie europäische Fluggesellschaften dürfen auch US-amerikanische und kanadische Fluggesellschaften den russischen Luftraum für viele Asienflüge nicht nutzen. Chinesische Fluggesellschaften profitieren daher auf einigen Strecken zwischen China und Nordamerika von kürzeren und günstigeren Verbindungen.

Dies hat zu Beschwerden von US-amerikanischen Fluggesellschaften geführt, die argumentieren, dass die Situation unfairen Wettbewerb schaffe. Im Jahr 2025 schlugen US-Regulierungsbehörden sogar vor, chinesische Fluggesellschaften einzuschränken, die auf US-China-Strecken über Russland fliegen.

Hauptunterschiede

Der Flugverkehr zwischen Nordamerika und China hat sich jedoch nicht so stark erholt wie der Verkehr zwischen Europa und China.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die politischen Spannungen zwischen den USA und China sind weiterhin deutlich höher.
  • Geschäftsreisen zwischen den USA und China sind schwächer als vor der Pandemie.
  • Die Flugrechte zwischen den USA und China bleiben weiterhin streng kontrolliert.
  • Amerikanische Fluggesellschaften haben ihren Fokus auf Japan, Südkorea, Indien und Südostasien verlagert.
  • Die Erholung des Tourismus zwischen China und Nordamerika hinkt Europa deutlich hinterher.

Aus diesem Grund bauen nordamerikanische Fluggesellschaften ihre Kapazitäten nach China im Allgemeinen nicht so aggressiv aus wie europäische Fluggesellschaften.

Beispielsweise verkehren große US-amerikanische Fluggesellschaften wie United Airlines, Delta Air Lines und American Airlines weiterhin mit reduziertem Flugplan nach China im Vergleich zum Niveau vor 2020.

Unterdessen expandieren chinesische Fluggesellschaften, wo immer es erlaubt ist, weiterhin international und nutzen den Überflugrechtraum Russlands als Wettbewerbsvorteil.

Eine neu gestaltete globale Luftfahrtkarte

Die Aufteilung des russischen Luftraums verändert zunehmend den globalen Wettbewerb in der Luftfahrt.

Chinesische Fluggesellschaften genießen nun folgende Vorteile:

  • Niedrigere Betriebskosten auf eurasischen Routen
  • Schnellere Flugzeiten
  • Bessere Flugzeugauslastung
  • Mehr Flexibilität bei der Terminplanung

Die westlichen Fluggesellschaften passen sich derweil wie folgt an:

  • Netzwerkdiversifizierung
  • Neue Zwischenstoppstrategien
  • Treibstoffeffizientere Flugzeuge
  • Stärkerer Fokus auf Premiumnachfrage

Doch trotz aller Nachteile signalisieren Europas Fluggesellschaften, dass China nach wie vor zu wichtig ist, um es aufzugeben.

Der nordamerikanische Markt hingegen scheint deutlich weniger engagiert zu sein – zumindest vorerst.

Über die Autorin

Jürgen T Steinmetz

Jürgen Thomas Steinmetz ist seit seiner Jugend in Deutschland (1977) kontinuierlich in der Reise- und Tourismusbranche tätig.
Er gründete eTurboNews 1999 als erster Online-Newsletter für die weltweite Reisetourismusbranche.

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