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Kiribati nutzt Tourismus als vorderste Strategie im Kampf gegen Plastikverschmutzung

Kisibati
Geschrieben von Jürgen T Steinmetz

Auf den fragilen Atollen Kiribatis entwickelt sich der Tourismus zu einer wichtigen Maßnahme gegen Plastikverschmutzung und Klimawandel. Ein regionaler Workshop in Tarawa verdeutlicht, wie kleine Tourismusunternehmen, Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und Meeresschutzinitiativen das Reisen in einem der ökologisch am stärksten gefährdeten Länder des Pazifiks verändern.

Die über mehr als drei Millionen Quadratkilometer Ozean verstreute Inselgruppe Kiribati liegt in einer der ökologisch am stärksten gefährdeten Regionen der Welt. Ihre 33 Korallenatolle und Riffinseln erheben sich nur geringfügig über den Meeresspiegel, sodass kaum Spielraum für Fehler bleibt, wenn Klimawandel, Meeresverschmutzung und Müllansammlungen auf ihre Küsten treffen.

Diese Realität bildete den Rahmen für einen regionalen Nachhaltigkeitsworkshop, der hier am 12. November stattfand und bei dem sich Tourismusbeamte, Umweltbehörden und Unternehmer trafen, um eine drängende Frage zu erörtern: Wie kann der Tourismus ausgebaut werden, ohne Abfälle zu importieren, die die Inseln nicht aufnehmen können?

Pazifische Tourismusorganisation

Der von der Pazifischen Tourismusorganisation, dem Sekretariat des Pazifischen Regionalen Umweltprogramms und SWITCH-Asia gemeinsam konzipierte und durchgeführte Workshop brachte 25 Teilnehmende aus Regierungsbehörden, Tourismusunternehmen und der Zivilgesellschaft zusammen, darunter Vertreter der Tourismusbehörde von Kiribati und des Ministeriums für Umwelt, Land und Landwirtschaft. Obwohl das Treffen von bescheidenem Umfang war, spiegelte es einen breiteren Trend im Pazifik wider, Umweltverantwortung stärker in die Tourismuspolitik zu integrieren.

Kiribati ist kein Ort für Massentourismus.

Kiribati ist kein Reiseziel für Massentourismus. Besucher kommen zum Sportfischen auf den Line Islands, um die Geschichte des Zweiten Weltkriegs auf Tarawa zu erleben, zum Tauchen an weitgehend unberührten Riffen und um authentische, gemeinschaftsbasierte Kulturerlebnisse zu genießen, die vom Dorfleben geprägt sind. Die meisten Tourismusbetriebe sind kleine Familienunternehmen, eng mit den lokalen Gemeinschaften verbunden und stark von Umweltzerstörung betroffen.

Kiribati und Plastik – und wenige Recyclingmöglichkeiten

kiribati1 | eTurboNews | eTN

Trotzdem ist der Plastikverbrauch im Tourismus enorm. Wasser in Flaschen ist aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität fast allgegenwärtig. Lebensmittelverpackungen, Einweg-Toilettenartikel und Reinigungsmittel sammeln sich in einem Land mit begrenztem Deponieraum und wenigen Recyclingmöglichkeiten schnell an.

Im Rahmen des Workshops wurde den Teilnehmenden eine koordinierte Strategie vorgestellt. Regionale Partner erläuterten das pazifische Standards- und Zertifizierungsprogramm zur schrittweisen Abschaffung von Einwegplastik im Tourismus sowie das Projekt zur Förderung nachhaltigen Tourismus im Pazifik, das die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft entlang der gesamten touristischen Wertschöpfungskette unterstützt. Kiribati präsentierte seine Mauri-Mark-Standards als nationalen Maßstab, während Umweltbeamte bestehende Maßnahmen detailliert darlegten. Dazu gehören Schulungen zur Wiederverwertung von Plastik, kommunale Aufräumaktionen, eine verbesserte Müllabfuhr und Anreizprogramme, bei denen gesammeltes Plastik gegen Setzlinge eingetauscht wird.

Eine Pilot-Abfallanalyse, die gemeinsam mit Tourismusunternehmen aus Süd-Tarawa und den umliegenden Inseln durchgeführt wurde, verdeutlichte das Problem. Plastikflaschen erwiesen sich als häufigster Einwegartikel, gefolgt von Müllbeuteln, Strohhalmen und Bechern. Papierbasierte Alternativen waren selten und oft vor Ort nicht erhältlich. Alufolie wurde häufig anstelle von Frischhaltefolie verwendet, während Plastikbesteck bei größeren Veranstaltungen die Mehrwegoptionen ergänzte. Einweghandschuhe, Miniatur-Toilettenartikel und Chemikalienbehälter waren weit verbreitet.

Die Ergebnisse bestärkten den wachsenden Konsens unter den Teilnehmenden, dass freiwillige Maßnahmen allein nicht ausreichen. Gesetzliche Verbote von nicht lebensnotwendigen Einwegkunststoffen, unterstützt durch regionale Koordination, wurden weithin als wirksamste Maßnahme angesehen. Umweltbeamte bestätigten, dass solche Reformen aktiv diskutiert werden und mit dem breiteren pazifischen Engagement für ein globales Abkommen gegen Plastikverschmutzung im Einklang stehen.

Ocean Alliance SOS sieht eine Chance für Kiribati

Die Gespräche reichten über die nationale Politik hinaus. Die Teilnehmenden verknüpften Kiribatis Tourismusstrategie mit regionalen und internationalen Rahmenwerken zum Schutz der Meere, darunter das OACM-SOS-Programm „Weiße Flagge“. Dieses bietet Tourismusunternehmen und Küstengemeinden einen strukturierten, schrittweisen Ansatz, um die Einhaltung von Umwelt-, Sicherheits- und Sauberkeitsstandards nachzuweisen. Für kleine Inselstaaten, in denen Tourismus und Meeresgesundheit untrennbar miteinander verbunden sind, gelten solche Rahmenwerke zunehmend als praktische Instrumente für kleine und mittlere Unternehmen, die ihre Abläufe optimieren und gleichzeitig gegenüber Besuchern und Partnern Umweltverantwortung demonstrieren wollen.

Geschichte von Kiribati

Für Kiribati geht es um weit mehr als nur Abfallmanagement. Geprägt von seiner kolonialen Vergangenheit, den Folgen des Zweiten Weltkriegs und den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels, betrachtet das Land den Tourismus heute eher als politisches Instrument denn als Wachstumsmotor. Meeresspiegelanstieg, Süßwasserknappheit und Küstenerosion sind alltägliche Realitäten, weshalb Resilienz eine Grundvoraussetzung für Entwicklung ist.

Das rückt kleine Tourismusbetriebe in den Mittelpunkt der Nachhaltigkeitsagenda. Pensionen, Reiseveranstalter und Zulieferer spüren die Auswirkungen des Klimawandels oft als Erste, passen sich aber auch am schnellsten an, wenn klare Standards und praktische Hilfsmittel an die Hand gegeben werden. Indem Kiribati die Abhängigkeit von importierten Einwegkunststoffen verringert, die Abfallwirtschaft stärkt und den Tourismus mit Meeresschutzinitiativen in Einklang bringt, positioniert sich das Land als Teil seiner Klimastrategie und nicht als Schwachstelle.

Kiribati eingeschränkter Zugang

Die Teilnehmenden erkannten weiterhin bestehende Hürden: begrenzter Zugang zu nachhaltigen Alternativen, hohe Vorlaufkosten, uneinheitliches Bewusstsein sowie Lücken bei Anreizen und Informationen zu Anbietern. Dennoch ist die Richtung klar. Indem Kiribati die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, regionale Standards und KMU-orientierte Rahmenbedingungen in seine Tourismusstrategie integriert, erprobt das Land ein Modell, das im gesamten Pazifikraum zunehmend an Bedeutung gewinnt.

In einer Region, in der wirtschaftliches Überleben und Umweltschutz untrennbar miteinander verbunden sind, bietet Kiribatis Experiment eine wichtige, wenn auch unaufdringliche Lektion. Tourismus bedeutet hier am Rande des Pazifiks nicht mehr nur, Besucher willkommen zu heißen. Es geht auch darum, zu entscheiden, was bleibt, wenn sie abreisen.

Über die Autorin

Jürgen T Steinmetz

Jürgen Thomas Steinmetz ist seit seiner Jugend in Deutschland (1977) kontinuierlich in der Reise- und Tourismusbranche tätig.
Er gründete eTurboNews 1999 als erster Online-Newsletter für die weltweite Reisetourismusbranche.

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