FRANKFURT / SEOUL Als die Star Alliance heute bekannt gab, dass Asiana Airlines am 16. Dezember 2026 um 23:59 Uhr koreanischer Standardzeit die größte Airline-Allianz der Welt offiziell verlassen wird, wurde dies als routinemäßiger Allianzwechsel dargestellt. Tatsächlich markiert es jedoch eine der folgenreichsten Umwälzungen in der Geschichte globaler Airline-Allianzen seit Jahren.
Für die Star Alliance folgt der Verlust von Asiana auf den Austritt von Scandinavian Airlines (SAS) zu SkyTeam im Jahr 2024 und bedeutet damit den zweiten Austritt eines bedeutenden Mitglieds innerhalb von weniger als drei Jahren. Für SkyTeam hingegen signalisiert der Austritt von Asiana – zusammen mit dem vorherigen Beitritt von SAS – eine bemerkenswerte Stärkung der Wettbewerbsposition gegenüber dem größeren Konkurrenten.
Während die Star Alliance weiterhin aus 25 Mitgliedsfluggesellschaften bestehen und das weltweit umfangreichste Allianznetzwerk beibehalten wird, werfen die Austritte von SAS und Asiana Fragen darüber auf, ob sich das Machtverhältnis zwischen den globalen Allianzen zu verschieben beginnt.
Das Ende einer 23-jährigen Partnerschaft
Asiana schloss sich an Star Alliance iSie wurde 2003 gegründet und entwickelte sich rasch zu einem der strategisch wichtigsten Mitglieder der Allianz in Asien. Vom internationalen Flughafen Seoul Incheon aus verband die Fluggesellschaft Nordamerika, Europa, China, Japan und Südostasien über eines der effizientesten Drehkreuze Asiens.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten sicherte Asiana der Star Alliance eine starke Position in Südkorea und ergänzte damit die Stärken der Allianz in Japan durch ANA, in China durch Air China und Shenzhen Airlines, in Taiwan durch EVA Air und in Südostasien durch Singapore Airlines und Thai Airways.
Der Austritt ist jedoch nicht auf Unzufriedenheit mit der Star Alliance zurückzuführen. Vielmehr ist er die unvermeidliche Folge der Übernahme und Integration von Asiana durch Korean Air.
Nach jahrelangen behördlichen Prüfungen in verschiedenen Ländern hat Korean Air die Kontrolle über Asiana erlangt und treibt nun die vollständige Fusion voran. Mit dem Abschluss der Integration am 17. Dezember 2026 wird die Marke Asiana faktisch verschwinden und Teil von Korean Air – einem Gründungsmitglied von SkyTeam – werden.
Asiana verlässt daher nicht so sehr die Star Alliance, sondern hört vielmehr auf, als unabhängige Fluggesellschaft zu existieren.
Ein Sieg, auf den SkyTeam jahrzehntelang hingearbeitet hat
Für SkyTeam sind die Auswirkungen enorm.
Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 galt SkyTeam oft als die kleinste der drei globalen Allianzen, überschattet vom riesigen Netzwerk der Star Alliance und dem Angebot an Premium-Fluggesellschaften von oneworld. Doch in weniger als drei Jahren konnte SkyTeam zwei der strategisch bedeutendsten Allianzgewinne der jüngeren Geschichte verbuchen.
Der erste Schritt erfolgte 2024, als SAS, eines der Gründungsmitglieder der Star Alliance, austrat, nachdem Air France-KLM eine bedeutende Beteiligung an der skandinavischen Fluggesellschaft erworben hatte. Dieser Schritt stärkte die Präsenz von SkyTeam in Skandinavien und Nordeuropa und beraubte die Star Alliance einer ihrer historischen Stützen.
Der zweite – und wohl bedeutendere – Sieg kommt mit dem Verschwinden von Asiana in Korean Air.
Nach Abschluss der Fusion wird SkyTeam die alleinige Kontrolle über den südkoreanischen Langstreckenflugmarkt erlangen. Anstelle zweier konkurrierender koreanischer Netzwerkfluggesellschaften, die unterschiedlichen Allianzen angehören, wird es dann eine einzige dominante koreanische Fluggesellschaft geben, die fest in SkyTeam verankert ist.
Für das Bündnis wird Seoul Incheon zu einem noch wichtigeren Knotenpunkt, der Asien mit Nordamerika und Europa verbindet.
Die Wettbewerbsauswirkungen auf Star Alliance
Die Führungskräfte der Star Alliance haben betont, dass die Allianz auch ohne Asiana in Korea stark bleiben wird. Vierzehn Mitgliedsfluggesellschaften – darunter Lufthansa, SWISS, Singapore Airlines, Turkish Airlines, Air Canada, Air India, EVA Air, Thai Airways, Air New Zealand, Ethiopian Airlines, LOT Polish Airlines, Shenzhen Airlines, Air China und United Airlines – werden weiterhin monatlich über 1,900 Flüge von und nach Seoul Incheon durchführen.
Doch das Bündnis verliert etwas weit Wertvolleres als Flugfrequenzen.
Es verliert einen Fluggesellschaftsanbieter im Heimatmarkt.
Nach Dezember 2026 werden Star-Alliance-Passagiere, die in Seoul ankommen, nicht mehr mit einer Mitgliedsfluggesellschaft mit einem umfassenden koreanischen Inlands- und Regionalnetz weiterreisen können. Stattdessen werden Reisende zunehmend auf Fluggesellschaften einer konkurrierenden Allianz angewiesen sein.
Dies ist von besonderer Bedeutung, da Südkorea eine strategisch wichtige geografische Lage zwischen Japan, China, Südostasien und Nordamerika einnimmt. Seoul dient seit Jahrzehnten als einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Asiens.
Das Verschwinden von Asiana hinterlässt eine Lücke, die keine ausländische Fluggesellschaft vollständig schließen kann.
Warum für United und Lufthansa am meisten auf dem Spiel steht
Keine Fluggesellschaften sind stärker betroffen als United Airlines und die Lufthansa Group.
Beide Fluggesellschaften haben sich in der Vergangenheit auf Asiana als wichtigen Partner für Anschlussflüge über Seoul hinaus verlassen.
Für United kommt dieser Verlust zu einem Zeitpunkt, an dem der Wettbewerb im Transpazifikraum zunimmt. Die Fluggesellschaft pflegt weiterhin enge Partnerschaften mit ANA in Japan und Air China in Festlandchina, doch der Wegfall von Asiana bedeutet einen wichtigen koreanischen Verbindungspunkt in ihrem Streckennetz.
Die Lufthansa Group steht vor einer ähnlichen Herausforderung.
Passagiere von Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines, Brussels Airlines und anderen Fluggesellschaften des Konzerns profitierten lange von nahtlosen Anschlussflügen innerhalb Asiens über das Streckennetz von Asiana. Diese Passagierströme werden nun zunehmend über konkurrierende SkyTeam-Verbindungen abgewickelt.
Diese Entwicklung ist besonders bemerkenswert, da die Lufthansa Group und United Airlines weithin als die einflussreichsten Mitglieder der Allianz und ihre wichtigsten kommerziellen Triebkräfte gelten. Der Verlust von SAS und Asiana trifft daher unverhältnismäßig stark jene Fluggesellschaften, die traditionell die Strategie der Star Alliance geprägt haben.
Eine sich wandelnde Allianzlandschaft
Der Abgang von SAS und Asiana verdeutlicht auch einen umfassenderen Wandel, der sich in der gesamten Luftfahrtindustrie vollzieht.
Historisch gesehen wählten Fluggesellschaften Allianzen auf der Grundlage von Netzwerkstrategie, Kundennutzen und kommerzieller Zusammenarbeit.
Heutzutage bestimmen Eigentumsverhältnisse und Unternehmenszusammenschlüsse zunehmend die Zugehörigkeit zu Allianzen.
SAS verließ die Star Alliance vor allem deshalb, weil ihre Zukunft eng mit Air France-KLM und SkyTeam verknüpft war.
Asiana verlässt die Allianz, weil ihre Zukunft an Korean Air und SkyTeam gebunden ist.
Die Entscheidungen wurden weniger von Allianzpräferenzen als vielmehr von der Unternehmensstruktur bestimmt.
Dieser Trend lässt vermuten, dass künftige Allianzveränderungen zunehmend in Fusionsverhandlungen und Aktionärsvereinbarungen ihren Ursprung haben werden, anstatt in den Aufsichtsräten der Allianz.
Hat Star Alliance eine Stellungnahme?
Trotz der Rückschläge bleibt die Star Alliance die größte Airline-Allianz der Welt.
Zu ihren Mitgliedern zählen weiterhin Branchengrößen wie United Airlines, Lufthansa, Singapore Airlines, ANA, Air Canada, Turkish Airlines, Air China, SWISS, EVA Air und Air India. Ihr globales Netzwerk ist nach wie vor umfangreicher als das von SkyTeam oder oneworld.
Das Bündnis verfügt über eine beachtliche Stärke in ganz Asien durch Japan, Singapur, Taiwan, China, Thailand und Indien.
Der Verlust Südkoreas hinterlässt jedoch eine spürbare geografische Lücke.
Branchenbeobachter spekulieren seit Jahren darüber, ob die Star Alliance künftig einen weiteren koreanischen Partner suchen, die Beziehungen zu bestehenden asiatischen Mitgliedern vertiefen oder eine engere Zusammenarbeit mit aufstrebenden Fluggesellschaften in der Region anstreben könnte. Keine dieser Optionen würde jedoch unmittelbar das ersetzen, was Asiana geleistet hat.
Mehr als nur eine Fluggesellschaft verlässt den Markt
Asianas Austritt bedeutet weit mehr als nur den Verlust einer einzelnen Mitgliedsfluggesellschaft.




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