Havanna- Washington DC- Der kubanische Tourismus stand für Musik, Spaß und fröhliche Menschen aus Kanada, Lateinamerika und Europa. Das hat sich geändert – und der Grund dafür ist US-Präsident Donald Trump und sein Motto „America First“.
Jahrzehntelang kamen Besucher nach Kuba, weil sie etwas ebenso Unfassbares wie Greifbares suchten: den Rhythmus der Straßen, die Herzlichkeit der Menschen, das Gefühl, dass das Leben – selbst in schwierigen Zeiten – laut und gemeinschaftlich gelebt wurde. Tourismus war hier nie nur ein Wirtschaftszweig. Er war ein Lebensgefühl.
Heute schwindet diese Atmosphäre.
An Orten wie Playa Larga, einst ein Zentrum für Ökotourismus und Tauchen, liegen die Strände fast menschenleer da. Boote treiben dort, wo sich früher Reisegruppen versammelten. Hotels schränken ihre Leistungen ein oder schließen ganz. Der Strom flackert – oder fällt fast den ganzen Tag aus. Treibstoff ist knapp. Der öffentliche Nahverkehr ist unzuverlässig. Was einst pulsierend war, wirkt nun wie erstarrt.
Kubanische Musik ist eine lebendigeDie rhythmische Verschmelzung afrikanischer und spanischer Einflüsse ist das Herzstück der Inselkultur. Vom energiegeladenen Puls der Salsa (lokal als „Casino“ bekannt) über die Traditionen von Rumba und Son bis hin zum modernen Timba – sie pulsiert in lebhaften Lokalen. Musik und Tanz sind untrennbar miteinander verbunden und schaffen ein unvergessliches Erlebnis in Havanna und weit darüber hinaus.
Kubas Tourismussektor kämpft nicht nur ums Überleben. Er bricht zusammen.
Die internationalen Ankünfte brachen Anfang 2026 dramatisch ein; die Zahlen für Februar sanken im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte. Fluggesellschaften stellten ihre Verbindungen ein. Reisende zögern, nicht weil Kuba seinen Charme verloren hat, sondern weil die grundlegendsten Dinge – Strom, Mobilität und Planbarkeit – nicht mehr gewährleistet sind.
Und im Zentrum dieser Abwärtsspirale steht die Politik – nicht das Wetter, nicht Pandemien, nicht ein plötzlicher Interessenverlust. Die Politik.

Der „America First“-Ansatz gegenüber Kuba hat den wirtschaftlichen Druck, insbesondere durch die Verschärfung der Beschränkungen für Treibstofflieferungen und Finanzströme, noch verstärkt. Indem Washington mit Sanktionen gegen Länder drohte, die die Insel mit Öl beliefern, hat es dazu beigetragen, die Energieversorgung Kubas zu gefährden. Die Folgen breiten sich mit brutaler Effizienz aus.
- Weniger Treibstoff bedeutet weniger Flüge.
- Weniger Flüge bedeuten weniger Touristen.
- Weniger Touristen bedeuten leere Hotels, untätige Arbeitskräfte und schwindende Einnahmen.
Das ist keine abstrakte Geopolitik. Das ist der Alltag.
Der Tourismus in Kuba wird nicht allein vom Staat kontrolliert – er ist eng mit dem Überleben der einfachen Bevölkerung verwoben. Familien vermieten Zimmer, fahren Taxi, kochen, führen Touristen, spielen Musik in Restaurants und verkaufen Kunsthandwerk auf der Straße. Wenn der Tourismus ausbleibt, verlieren sie ihre Lebensgrundlage.
Die US-Politik stellt diesen Druck jedoch weiterhin als Instrument zur Unterstützung des kubanischen Volkes dar. Diese Behauptung lässt sich zunehmend schwerer verteidigen.

Selbst die kubanischen Staatsmedien – die sich in ihren Aussagen oft zurückhaltend äußern – haben die Schwere der Krise anerkannt und über Notfallmaßnahmen zur Stromrationierung in Tourismuszonen berichtet, um die Deviseneinnahmen zu sichern. Wenn ein Land entscheiden muss, welche Hotels Strom erhalten und welche im Dunkeln bleiben, ist das System bereits extrem überlastet.
Soziale Medien bestätigen die Erfahrungen vor Ort. Reisende berichten von Stromausfällen, abgesagten Plänen und Schwierigkeiten, sich auf der Insel fortzubewegen. Manche kommen trotzdem – aber sie sind auf Unannehmlichkeiten vorbereitet, nicht auf Erholung. Dieser Wandel ist bezeichnend: Kuba wird nicht mehr durch Erlebnisse, sondern durch Durchhaltevermögen vermarktet.
Nichts davon ändert dies an der Verantwortung der kubanischen Regierung für die seit Langem bestehenden wirtschaftlichen Ineffizienzen und strukturellen Probleme. Diese Probleme sind real und von Bedeutung. Sie existieren jedoch nicht isoliert.
Die aktuelle US-Strategie verstärkt jede Schwäche – sie wandelt Engpässe in Krisen und Krisen in einen Zusammenbruch um. Das wirft eine grundlegende Frage auf: Was genau ist das Ziel?
Wenn das Ziel politischer Wandel ist, bietet die Geschichte wenig Anhaltspunkte dafür, dass wirtschaftliche Not zu demokratischen Reformen führt. Vielmehr verfestigt sie häufig die Not und bestärkt die von den Machthabern genutzten Widerstandsnarrative.
Wenn das Ziel darin besteht, die kubanische Bevölkerung zu unterstützen, ist das Ergebnis noch widersprüchlicher. Einer der wenigen Sektoren, in denen Einzelpersonen ein unabhängiges Einkommen erzielen können – der Tourismus – wird systematisch untergraben.
Das Ergebnis ist kein gezielter Druck, sondern weitreichende Folgen.
Leere Strände setzen nicht Regierungen unter Druck, sondern Familien. Flugzeuge am Boden isolieren nicht Eliten, sondern Gemeinschaften.
Kubas Tourismus war einst geprägt von Musik, Bewegung und menschlichen Begegnungen. Heute ist er zunehmend von Abwesenheit bestimmt. Und diese Abwesenheit ist kein Zufall. Sie ist die vorhersehbare Folge einer Politik, die Druck über Menschen und Ideologie über Realität stellt.



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