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Wenn „Forschung“ zum Trojanischen Pferd wird: Wie PR-Agenturen Medien nutzen, um Links zu Glücksspielinhalten zu verbreiten

Presse
Geschrieben von Jürgen T Steinmetz

Immer mehr PR-Kampagnen tarnen Werbung als unabhängige Recherche und zielen mit vorgefertigten Berichten, die kommerzielle Interessen verschleiern, auf vertrauenswürdige Nachrichtenagenturen ab. Manche dieser Aktionen führen letztlich zu Links mit Bezug zu Glücksspiel und SEO-Strategien, was ernsthafte Bedenken hinsichtlich Medienethik, Abstrafungen durch Suchmaschinen, Transparenz und der zukünftigen Glaubwürdigkeit des Journalismus aufwirft.

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Die E-Mail sah harmlos aus.

„Hallo Jürgen T,

Hoffentlich haben Sie diesen neuesten Bericht über die besten Sommerreiseziele für Nachtschwärmer gelesen.“

Es kam im Posteingang von eTurboNews von Eva Robinson, die offenbar eine PR-Agentur unter der Domain jbpresswave.com betrieb.

Das Angebot präsentierte eine attraktive, sofort druckfertige Reisegeschichte: einen Bericht über Ausgehviertel, aufbereitet als Recherche. Für ein Reisemagazin wirkte er relevant. Er bot die gewohnte Aufmachung moderner digitaler PR: Rankings, Lifestyle-Aspekte, Reiseziel-Bezug und einen passenden Aufhänger für den Sommer.

Doch der eigentliche Zweck wurde erst nach dem Durchklicken deutlicher.

Der Bericht verpflichtete die Verlage, auf den „Sponsor“ zu verlinken. Dieser Sponsorenlink führte jedoch offenbar nicht zu einer Tourismusbehörde, einem Hotelunternehmen, einer akademischen Quelle oder einem seriösen Forschungsinstitut, sondern zu einer Webseite mit Bezug zu Online-Glücksspiel.

Bei vielen seriösen Verlagen sind Links zu Glücksspielseiten verboten. Sie können gegen interne Werberichtlinien verstoßen, das Vertrauen der Leser schädigen und ein ernsthaftes Risiko für Suchmaschinen darstellen.

Das war kein Journalismus. Das war keine unabhängige Recherche. Das war Linkwäsche.

Der neue PR-Trick: Verstecke den Kunden hinter einer Studie

Seit Jahren erhalten Redaktionen Angebote für Gastbeiträge, Anfragen für bezahlte Links und Vorschläge für gesponserte Inhalte von Gmail-Konten und undurchsichtigen Marketingvertretern.

Die neue Version ist ausgereifter.

Statt direkt nach einem Casino-Link zu fragen, bietet der Absender eine „Studie“ an. Anstatt Werbung zu schalten, bittet die Agentur um redaktionelle Berichterstattung. Anstatt das kommerzielle Interesse offenzulegen, verpackt das Angebot den Kunden in „Forschung“.

Die Formel ist einfach:

Erstelle einen Bericht.
Es soll berichtenswert aussehen.
Biete es Journalisten an.
Ein Sponsorenlink ist erforderlich.
Das Reputationsrisiko soll der Verlag tragen.

In diesem Fall ging es um Reisen und Nachtleben. Morgen könnten es Familienurlaube, Hotelrankings, die sichersten Städte, Flughafenverspätungen, Flitterwochenziele oder die fotogensten Strände sein.

Das Thema ändert sich. Die Taktik bleibt dieselbe.

Warum Verlage ins Visier genommen werden

Verlage haben Autorität.

Ein Link von einem anerkannten Medienunternehmen kann für Suchmaschinen, Werbetreibende, Partner und Glücksspielanbieter wertvoll sein. Deshalb bemühen sich Betrüger so sehr darum, solche Links in Artikeln zu platzieren, die wie redaktionelle Beiträge aussehen.

Googles Spam-Richtlinien warnen ausdrücklich vor Links, die hauptsächlich dazu dienen, die Suchergebnisse zu manipulieren. Dazu gehören bezahlte Links, Gastbeiträge, Pressemitteilungen, Advertorials und Native Advertising, die Ranking-Credits weitergeben.

Google gibt außerdem an, dass Werbe- und Sponsoringlinks nur dann zulässig sind, wenn sie entsprechend gekennzeichnet sind, beispielsweise mit rel="nofollow" or rel="sponsored".

Dieser Unterschied ist wichtig.

Eine transparente Werbung ist eine Sache. Ein versteckter kommerzieller Backlink in einem gefälschten Forschungsbericht ist etwas ganz anderes.

Gute PR vs. schlechte PR

  • Gute PR hilft Journalisten, eine Geschichte zu verstehen.
  • Schlechte PR versucht, Journalisten als unbezahlte Werbekanäle zu missbrauchen.
  • Gute PR stellt den Kunden in den Mittelpunkt.
  • Schlechte PR versteckt den Kunden hinter erfundenen Forschungsergebnissen.
  • Gute PR akzeptiert redaktionelle Unabhängigkeit.
  • Schlechte PR erfordert Links, Ankertexte und Platzierungen.
  • Gute PR versteht, dass man sich redaktionelle Berichterstattung verdienen muss.
  • Schlechte PR vermittelt Kunden die Illusion, dass Verlage für immer kostenlose Werbung anbieten werden.
  • Gute PR gibt eine einfache Kontaktmöglichkeit an, wie zum Beispiel eine Telefonnummer.
  • Schlechte PR setzt auf Massenmailings an Journalisten und ist nicht bereit, mit Kunden in Kontakt zu treten.

Die größere Bedrohung: KI, billige Inhalte und gefälschte Forschungsergebnisse

Künstliche Intelligenz hat dieses Problem verschärft.

Berichte, für die früher Forscher, Analysten, Designer und Redakteure benötigt wurden, lassen sich heute schnell und kostengünstig erstellen. Eine Kampagne kann Dutzende von „Studien“ hervorbringen, die jeweils auf eine andere Branche ausgerichtet sind.

Reisemedien erhalten möglicherweise Rankings der Reiseziele.
Wirtschaftsmedien erhalten möglicherweise Verbraucherumfragen.
Gesundheitsmedien erhalten möglicherweise Wellness-Statistiken.
Lifestyle-Medien erhalten möglicherweise Trendberichte.

Das Ergebnis ist eine Flut von Inhalten, die zwar nützlich aussehen, aber hauptsächlich dazu dienen, einen Link zu enthalten.

Für überlastete Redaktionen liegt die Gefahr auf der Hand. Wenn Verlage attraktive Berichte kopieren und einfügen, ohne Sponsor, Methodik und Ziellinks zu überprüfen, könnten diese Teil eines unentdeckten Werbenetzwerks werden.

Warum Glücksspielanbieter besonders aggressiv sind

Die Online-Glücksspielbranche sieht sich mit Werbebeschränkungen, regulatorischer Aufsicht und Reputationsrisiken konfrontiert. Viele seriöse Publikationen werden wissentlich keine Casino- oder Wettwerbung betreiben.

Das hat einen Anreiz für indirekte Werbung geschaffen.

Eine Glücksspielmarke oder ein Partnerunternehmen muss nicht zwingend in einem Glücksspielartikel erwähnt werden. Sie kann beispielsweise in einem Reisebericht, einem Artikel über das Nachtleben, einem Sportbericht oder einem Verbraucherranking auftauchen.

  • Der Leser sieht redaktionelle Inhalte.
  • Die Suchmaschine erkennt einen Backlink.
  • Der Sponsor erhält Sichtbarkeit.
  • Das Risiko trägt der Verlag.

eTurboNews Hat das Muster erkannt

Dieser jüngste Vorfall war kein Einzelfall.

eTurboNews hat zahlreiche Versuche von Absendern erhalten, die Gmail-Konten verwenden, um für Gastbeiträge zu bezahlen, Links einzufügen oder Inhalte auf fragwürdigen kommerziellen Seiten zu platzieren.

Manche Angebote versprechen gutes Geld. Manche verschleiern den Link. Manche präsentieren den Artikel als hilfreichen redaktionellen Beitrag. Andere verschwinden spurlos, wenn man nach gesponserten Inhalten, Offenlegungspflichten oder Anzeigenpreisen fragt.

Dieses Schweigen spricht Bände.

Wenn es sich um legitime Werbung handelte, würde der Absender die Sponsorenschaft ansprechen. Wenn die Studie unabhängig war, würde die Quelle die Finanzierung offenlegen. Wenn der Kunde stolz auf die Zusammenarbeit wäre, bräuchte sich der Sponsor nicht hinter einem Bericht zu verstecken.

Was Redakteure vor der Veröffentlichung von „Forschungsergebnissen“ prüfen sollten

Jede Redaktion sollte sich diese Fragen stellen, bevor sie extern bereitgestellte Forschungsergebnisse veröffentlicht:

Wer hat den Bericht bezahlt?
Wem gehört die Sponsorendomain?
Wohin leitet der Link weiter?
Gibt es ein Affiliate-Tracking-System?
Ist die Methodik transparent?
Können die Daten unabhängig überprüft werden?
Nutzt der Absender eine Firmenadresse oder eine Wegwerf-E-Mail-Adresse?
Ist ein Link Voraussetzung für die Veröffentlichung?
Wäre diese Geschichte auch ohne den Link noch berichtenswert?

Lautet die Antwort Nein, handelt es sich bei dem Angebot wahrscheinlich um Werbung, die sich als Journalismus ausgibt.

Die wahren Kosten kostenloser Inhalte

Viele Unternehmen sind nach wie vor der Ansicht, dass die Medienberichterstattung kostenlos sein sollte, weil „Journalisten Inhalte benötigen“.

Dieses Argument ignoriert die Realität.

Verlage bezahlen Redakteure, Reporter, Faktenchecks, Technologie, Hosting, Newsletter, Rechtsrisiken und Leserakquise. Wenn kommerzielle Akteure kostenlose Präsenz fordern und sich dabei hinter PR-Agenturen verstecken, verlangen sie von Medienunternehmen im Grunde, dass diese ihr Marketing subventionieren.

Dies sind keine verdienten Medienberichte.

Es handelt sich um unbezahlte Werbung.

Eine Warnung an PR-Agenturen

Die Öffentlichkeitsarbeit hat eine legitime Rolle. Viele PR-Fachleute sind ehrlich, transparent und wertvoll für Journalisten.

Doch Agenturen, die Verbindungen zum Glücksspiel als Forschung tarnen, schaden der gesamten Branche.

Sie täuschen Kunden, indem sie ihnen Reichweite ohne Werbeinvestitionen versprechen. Sie täuschen Journalisten, indem sie ihre kommerziellen Motive verschleiern. Sie täuschen Leser, indem sie die Grenze zwischen redaktionellen Beiträgen und Werbung verwischen.

Und sie könnten Verlage Suchstrafen, Reputationsschäden und negativen Reaktionen der Leser aussetzen.

Eine Warnung an die Verlage

Der nächste aufpolierte Bericht in Ihrem Posteingang ist möglicherweise keine Forschungsarbeit.

Es könnte sich um ein trojanisches Pferd handeln.

Vor der Veröffentlichung jeden Link anklicken. Jeden Sponsor prüfen. Nach dem Zahlungsempfänger fragen. Offenlegung verlangen. Erwünschte Backlinks ablehnen. Sicherstellen, dass alle Rechnungen ordnungsgemäß bezahlt wurden. Inhalte ablehnen, die hauptsächlich der Manipulation von Suchmaschinenplatzierungen dienen.

Im Zeitalter von KI-generierten Berichten und aggressivem Linkbuilding wird redaktionelles Vertrauen nicht mehr durch gute Absichten geschützt.

Sie muss verteidigt werden, ein verdächtiger Wurf nach dem anderen.

Über die Autorin

Jürgen T Steinmetz

Jürgen Thomas Steinmetz ist seit seiner Jugend in Deutschland (1977) kontinuierlich in der Reise- und Tourismusbranche tätig.
Er gründete eTurboNews 1999 als erster Online-Newsletter für die weltweite Reisetourismusbranche.

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