Die Türen öffneten sich am 3. März 2026 und markierten damit den 60. ITB Berlin auf der Messe Berlin.
Sechzig Jahre. Ein Meilenstein, der eigentlich ein Triumph hätte sein sollen – und in vielerlei Hinsicht war er das auch.
Die Organisation war makellos. Die Säle waren perfekt poliert. Die Bühnen waren filmreif ausgeleuchtet. Die Podiumsdiskussionen waren sorgfältig zusammengestellt, und die Ministerprogramme waren hochaktuell. Rein formal betrachtet war es womöglich eine der am besten organisierten ITBs der letzten Jahrzehnte.
Und dennoch fehlte etwas.
Die Stille zwischen den Tribünen
Das Erste, was erfahrenen Besuchern auffiel, war nicht das Chaos – sondern der Platz.
Zum ersten Mal seit Menschengedenken gab es leere Stühle. Nicht nur ein paar. Viele. Man konnte sitzen. Man konnte innehalten. Man konnte nachdenken. Veteranen des ITB tauschten schweigende Blicke, während sie durch die Gänge gingen, die sich einst wie menschliche Flüsse angefühlt hatten.
Das Fehlen war am deutlichsten in den Hallen des Nahen Ostens zu spüren.
- Der Dubai-Stand, normalerweise ein Spektakel von Größe und Ambition, wurde drastisch verkleinert. Fast 300 Teilnehmer Diejenigen, die den Pavillon mit Leben füllen sollten, trafen nie ein. Die Schließung des internationalen Flughafens von Dubai hatte die Anreise der Delegationen in letzter Minute verhindert.
- Vertreter von Qatar Airways saßen in Doha fest.
- Saudi-Arabien hatte die Ausgaben deutlich reduziert.
- Jordan fühlte sich fast verlassen.
- Israel und Palästina fehlten vollständig.
Drei Tage, so hieß es hinter vorgehaltener Hand. Drei Tage hatten Jahre – ja Jahrzehnte – des Ausbaus der Luftfahrt und der Entwicklung des globalen Tourismus zunichtegemacht. Wichtige Drehkreuze wie Doha, Dubai, Abu Dhabi und Bahrain – einst Symbole globaler Vernetzung – waren zu Stillständen oder strengen Einschränkungen gezwungen worden.
Die Kettenreaktion war in allen Gängen spürbar.






Volle Züge, leere Gleise
Merkwürdigerweise wirkte die Stadt selbst nicht leer.
Die S-Bahn Richtung Messe Süd war zur Hauptverkehrszeit überfüllt. Auch die U-Bahn Richtung Norden verzeichnete den üblichen morgendlichen Andrang der Messebesucher. Berlin war in Bewegung.
Doch in den Hallen gab es keine der legendären Warteschlangen an den Essensständen. Der Currywurststand – normalerweise ein wahrer Geduldskampf – lieferte die Würstchen innerhalb weniger Minuten. Und irgendwie, vielleicht gerade wegen der ungewohnten Ruhe, schmeckte es sogar noch besser.
Taxis waren ohne die üblichen Verhandlungen verfügbar. Die Hotellobbys waren lebhaft, aber nicht überfüllt.
Die regelmäßigen Besucher schüttelten den Kopf:
„Das ist nicht mehr das ITB, an das wir uns erinnern.“
Und dennoch war es immer noch ITB.

Die Vereinigten Staaten: Klein, aber aussagekräftig
Die USA hielten sich, wie üblich, zurückhaltend. Die Gespräche dort hatten jedoch Gewicht.
Ein Sprecher – der anonym bleiben wollte – bestätigte stillschweigend, dass deutsche Ausreiseflüge in die Vereinigten Staaten über „die freundlichen Lüfte“ angeblich wieder aufgenommen wurden. nach unten durch 63%.
Unterdessen überquerten amerikanische Reisende in wachsender Zahl den Atlantik und erkundeten Europa trotz der politischen Turbulenzen in ihrer Heimat.
Niemand sagte noch viel. Das war auch nicht nötig.
Europa trägt die Fackel
Europa, insbesondere die Inlandsreisemärkte, gaben einen Einblick in das, was die ITB sollte So muss es ausgesehen haben. Die regionalen Tourismusverbände waren stark ausgelastet. Die Gespräche waren angeregt. Verträge wurden bei einer Tasse Espresso besprochen, anstatt sie über die Köpfe der Menge hinweg zu verkünden.
Die offiziellen Ministertreffen verliefen planmäßig. Die Diplomatie kennt keine Pause.
Die Veranstaltung in Nepal zeichnete sich durch eine herzliche und gut besuchte Zusammenkunft aus. Ironischerweise konnten der Geschäftsführer des nepalesischen Tourismusverbandes und ein Großteil seines Teams nicht teilnehmen – sie waren auf der Durchreise und genossen vorübergehend die unerwartete Gastfreundschaft von Qatar Airways in Doha, anstatt in Berlin zu sprechen.
Dennoch wurde die Präsentation fortgesetzt. Der Geist war ungebrochen.

Widerstandsfähigkeit in der Luft
Wenn es in diesem Jahr ein Wort gab, das durch die Gänge der ITB Berlin hallte, dann war es: Elastizität.
Kaum jemand verkörperte diesen Geist so deutlich wie Edmund Bartlett, Jamaikas Tourismusminister. Immer wieder, wenn er von einer Podiumsdiskussion zur nächsten, von einem Empfang zum nächsten und von einem bilateralen Treffen eilte, wiederholte er eine Botschaft, die viele hören mussten:
Die Widerstandsfähigkeit wird überleben.
Die globale Tourismusbranche hat schon früher Krisen überstanden – Finanzkrisen, Vulkanaschewolken, Pandemien. Sie passt sich an. Sie baut sich wieder auf. Sie knüpft wieder Verbindungen.
Berlin: Eine Stadt der Freiheit
Berlin wirkte offen. Trotzig. Kosmopolitisch.
Nationalitäten aus aller Welt trafen sich, sprachen, debattierten und besuchten Veranstaltungen. Die Politik schwebte im Hintergrund, unausgesprochen, aber verständlich. Niemand machte der ITB Berlin Vorwürfe. Niemand machte der Messe Berlin Vorwürfe.
Die Tourismuswelt weiß, wie zerbrechlich Verbindungen sein können. Sie weiß auch, wer Brücken baut – und wer sie einreißt.
Morgen ist Tag zwei
Als am ersten Tag dieser historischen 60. Ausgabe die Lichter gedimmt wurden, herrschte in den Gängen ein stilles, aber gemeinsames Einverständnis:
Morgen ist Tag zwei – und es kann nur noch besser werden.
Denn selbst in einem Jahr, das von Abwesenheit geprägt war, zeigte sich die Branche präsent. Es wurden Geschäfte verhandelt, Partnerschaften bekräftigt und Freundschaften erneuert.
Und wenn Resilienz tatsächlich die stärkste Währung des Tourismus ist, dann wird die ITB Berlin 2026 vielleicht nicht für das, was fehlte, sondern für das, was sich weigerte zu verschwinden, in Erinnerung bleiben.




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