Jedes Jahr, ITB Berlin Berlin wird zur globalen Hauptstadt des Reisens und Tourismus. Die Veranstaltung findet in der Messe Berlin statt und ist das größte Treffen von Reiseexperten weltweit – ein Ort, an dem Konkurrenten zu Partnern werden und selbst politische Gegner als Branchenkollegen aufeinandertreffen.
Der Tourismus galt lange als friedliches Geschäft. Er lebt von Kooperation, Dialog und Vernetzung. Doch in diesem Jahr steht die ITB vor einem dramatischen Hintergrund: Krieg im Nahen Osten – einer der Säulen des globalen Tourismuswachstums und der Luftverkehrsanbindung.
Eine globale Schockwelle in der Luftfahrt
Der Nahe Osten ist mehr als nur eine Reisezielregion; er ist der Knotenpunkt der globalen Luftfahrt.
Drehkreuze wie Doha und Dubai – angetrieben von Fluggesellschaften wie Qatar Airways und Emirates – verbinden Afrika, Asien, Europa und Amerika. Diese Fluggesellschaften haben zusammen mit anderen in der Golfregion Rekordpassagierzahlen ermöglicht und die Region zu einem unverzichtbaren Knotenpunkt für die globale Tourismuslogistik gemacht.
Da nun Luftraumsperrungen und Flugausfälle sich auf die gesamten Netzwerke auswirken, gerät die Infrastruktur, die die globalen Teilnehmer der ITB miteinander verbindet, unter Druck.
Nepalesische Delegation landet – dann wird der Luftraum gesperrt
Deepak Joshi, CEO des nepalesischen Tourismusverbandes, kontaktierte eTurboNews Vor wenigen Minuten gab es eine dringende Nachricht: Der Qatar Airways-Flug aus Kathmandu mit seinem Team und nepalesischen Ausstellern an Bord ist sicher in Doha gelandet, kurz bevor der Flughafen und der umliegende Luftraum gesperrt wurden.
Sie sind in Sicherheit. Aber sie sitzen fest.
Niemand weiß, was als Nächstes passieren wird – oder was das für die ITB bedeutet.
Für viele in der Tourismusbranche ist dieser Moment ein Déjà-vu-Erlebnis. 2020 wurde die ITB Berlin aufgrund der weltweiten Ausbreitung von COVID-19 abrupt abgesagt, was den symbolischen Beginn der schlimmsten Krise in der modernen Tourismusgeschichte markierte.
Delegationen auf allen Kontinenten gestrandet
Die Störungen sind weitreichend.
Dov Kalmann, ein eTN-Held aus Tel Aviv, kann seine lang geplante Reise zur ITB nicht antreten. Delegationen in ganz Afrika, dem Nahen Osten und Asien stehen vor ähnlichen Unsicherheiten.
Zu den betroffenen Fluggesellschaften gehören:
- Nahöstliche Fluggesellschaften
- Turkish Airlines
- Europäische Fluggesellschaften
- Asiatische Fluggesellschaften mit Codeshare-Abkommen, die mit Drehkreuzen am Golf verbunden sind
Wenn die wichtigsten Verkehrsknotenpunkte im Nahen Osten weiterhin geschlossen bleiben, könnte die ITB Berlin drastisch schrumpfen – und sich im Wesentlichen zu einer Veranstaltung mit Fokus auf Europa und Amerika entwickeln, an der Botschaftsangehörige und Aussteller teilnehmen, die Deutschland erreichen können, ohne den betroffenen Luftraum zu durchqueren.
Bislang gab es keine offizielle Reaktion der ITB-Organisatoren.
Wiederaufbau des Reiseverkehrs – und Vermeidung vergangener Fehler
Die World Tourism Network (WTN), in Zusammenarbeit mit eTurboNews, hält an seinem jährlichen Networking-Dinner am Montag, dem 2. März, fest – allerdings mit einem neuen Fokus.
Das Thema: Der Wiederaufbau des Reiseverkehrs – von Neuem.
Die ursprüngliche Diskussionsrunde „rebuilding.travel“ begann 2020 in Berlin, nachdem die ITB aufgrund von COVID-19 abgesagt worden war. Diese Initiative half Akteuren der Tourismusbranche, die verheerenden Auswirkungen der Pandemie zu bewältigen, und führte zur Gründung von WTN .
Da nun geopolitische Instabilität die Erholung bedroht, WTN mahnt die Branche eindringlich, die Fehler von 2020 nicht zu wiederholen.
WTN Held Dr. Jens Thraenhart warnte:
„Sollte es tatsächlich zu einer Eskalation kommen, was durchaus möglich ist, dann wird das den Reise- und Tourismussektor hart treffen.“
Er blickte auf die Anfangszeit von COVID zurück:
„Der Tourismus war auf COVID nicht vorbereitet. Als das Thema im Januar 2020 während der FITUR auf einer hochrangigen Sitzung des Tourismusverbandes angesprochen wurde, wurde betont, dass es sich um ein Gesundheitsproblem handele, das von der WHO gehandhabt und geleitet werden müsse. Das stimmt zwar, sollte aber nicht bedeuten, dass der Tourismus in eine abwartende Haltung verfällt.“
Der darauffolgende weltweite Stillstand bewies, wie teuer diese Selbstzufriedenheit war.
Dr. Thraenhart betonte, dass der Tourismus denselben Fehler nicht noch einmal begehen dürfe.
„Der Tourismus sollte jetzt nicht denselben Fehler begehen. Es geht um konkrete Lösungen zur Rettung der vielen kleinen Unternehmen – darunter die Förderung des Inlandstourismus und die Entwicklung von Resilienzstrategien.“
Führung in unsicheren Zeiten
WTNDas Berliner Abendessen bringt Tourismusverantwortliche zusammen, die trotz der Unsicherheit zu einem offenen Dialog bereit sind. Zu den Teilnehmern gehören:
- Sicherheitsexperte Dr. Peter Tarlow (per Videokonferenz zugeschaltet)
- Früher UNWTO Stellvertretender Generalsekretär und WTTC CEO Prof. Geoffrey Lipman
- Jamaikas Tourismusminister
- Medienexperten und Tourismusbeamte aus Europa und Nordamerika
WTN Präsident Jürgen Steinmetz fasste die Dringlichkeit zusammen:
„Jetzt ist es an der Zeit, Netzwerke zu knüpfen und Führungsstärke zu beweisen. Krisen erfordern Handeln, nicht Schweigen.“
Tourismus als Friedensgeschäft
Reisen und Tourismus tragen fast 10 % zum globalen BIP bei und sichern Hunderte Millionen Arbeitsplätze. Doch jenseits der Wirtschaft verbindet der Tourismus Menschen. Er fördert das gegenseitige Verständnis, wo die Politik mitunter versagt.
Die ITB Berlin verkörpert seit langem dieses Ideal – Israelis treffen auf Araber, Asiaten auf Europäer, Afrikaner auf Amerikaner – alle als Kollegen in einer Branche.
Heute steht dieser Geist vor einer weiteren Bewährungsprobe.
Wird die ITB Berlin kleiner werden? Möglicherweise.
Wird die globale Vernetzung darunter leiden? Schon jetzt.
Wird der Tourismus weiterhin schweigen? Das ist die eigentliche Frage.
Wenn die Branche aus dem Jahr 2020 etwas gelernt hat, dann dies: Darauf zu warten, dass andere handeln, ist keine Strategie.
Da Flüge gestrichen werden und die Unsicherheit zunimmt, muss die Botschaft aus Berlin möglicherweise klar sein:




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