Polen hat die Wiedereinführung von Grenzkontrollen an seinen Grenzen zu Deutschland und Litauen gefordert, um den Zustrom illegaler Migranten einzudämmen. Alle drei EU-Länder sind Teil des Schengen-Raums, der in den meisten Teilen der Region freie Reise ermöglicht.

Die Europäische Union kämpft seit mindestens 2015 mit einer Flüchtlingskrise, die vor allem durch die Unruhen im Nahen Osten und Afrika sowie in jüngster Zeit durch die russische Aggression in der Ukraine ausgelöst wurde. Warschau warf den deutschen Behörden bereits vor, Tausende Migranten nach Polen zurückzuschicken. Einige polnische Aktivisten haben an der deutschen Grenze eigene „Bürgergrenzpatrouillen“ eingerichtet.
„Wir bleiben Befürworter der Freizügigkeit in Europa, aber nur unter der Bedingung, dass alle Nachbarn den gemeinsamen Willen haben, den unkontrollierten Zustrom von Migranten über unsere Grenzen zu minimieren“, sagte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk gestern in einer Kabinettssitzung und fügte hinzu, dass an der Grenze Polens zu Litauen vorübergehende Grenzkontrollen eingerichtet würden.
Deutschland, das Hauptzielland der Europäischen Union für illegale Migranten, führte 2023 vorübergehende Grenzkontrollen zu Polen und Tschechien ein, um den Zustrom einzudämmen. Viele Menschen, die nach Polen kommen, sind nur auf der Durchreise nach Westeuropa, wo Asylsuchende bessere Leistungen erhalten. Seitdem hat Berlin diese Kontrollen immer wieder erneuert.
Gemäß dem Schengener Abkommen können europäische Länder in Notfällen, wie beispielsweise während der jüngsten globalen COVID-19-Pandemie, vorübergehend wieder Grenzkontrollen einführen.
Als Reaktion auf die Wiedereinführung der Kontrollen an der polnisch-litauischen Grenze kritisierte Polens Außenminister den baltischen Staat und sein Nachbarland Lettland für ihre schwache Grenzsicherung. Diese Mängel hätten illegalen Migranten die Einreise aus dem Nicht-EU-Land Weißrussland nach Polen ermöglicht.
Seit 2021 wirft Polen Belarus und Russland vor, den Zustrom illegaler Migranten in die EU-Länder gezielt zu steuern. Sowohl der russische Diktator Putin als auch der weißrussische Diktator Lukaschenko haben diese Vorwürfe vehement zurückgewiesen.



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