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Ryanair streicht Flüge nach Berlin aufgrund steigender Kosten in Deutschland

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Geschrieben von Jürgen T Steinmetz

Ryanairs Entscheidung, den Flugbetrieb einzuschränken Flughafen Berlin Brandenburg Die Studie verdeutlicht tieferliegende strukturelle Probleme im deutschen Luftfahrtmarkt. Steigende Kosten, Steuern und Wettbewerb verändern die Konnektivität und haben Auswirkungen auf den Tourismus, die Ticketpreise und Berlins Rolle als wichtiges europäisches Drehkreuz.

Berlin – In der sorgfältig abgestimmten Ökonomie der Billigfluggesellschaften spielen Stimmungen kaum eine Rolle; die Kostenstrukturen bestimmen alles. Die Entscheidung von Ryanair, ihren operativen Stützpunkt am Flughafen Berlin Brandenburg ab Ende 2026 zu schließen, ist daher weniger überraschend als vielmehr ein Symptom – eines, das eine wachsende strukturelle Kluft zwischen Deutschland und dem übrigen europäischen Luftfahrtmarkt offenbart.


Ein vorhersehbarer Rückzug

Ryanairs Geschäftsmodell ist erschreckend einfach: Flugzeuge werden dort eingesetzt, wo die Grenzkosten am niedrigsten und die Nachfrage ausreichend elastisch ist. Berlin, einst ein Eckpfeiler der deutschen Expansion der Airline, erfüllt diese Gleichung nicht mehr. Die Flughafengebühren am BER sind seit der Pandemie stark gestiegen, während die deutsche Luftverkehrssteuer – ohnehin eine der höchsten in Europa – weiter erhöht wurde. Hinzu kommen gestiegene Gebühren für Flugsicherung und Sicherheitskontrolle, und die Rechnung wird unerbittlich.

Das Ergebnis ist kein vollständiger Rückzug, sondern etwas weitreichenderes: eine Halbierung der Kapazität und die Entfernung der stationierten Flugzeuge. In der Betriebswirtschaftslehre der Fluggesellschaften ist dies von Bedeutung. Eine Basis ist nicht nur ein Parkplatz; sie ermöglicht frühe Abflüge, späte Rückkehr und dichte Streckennetze. Ohne sie verschlechtert sich die Anbindung, die Flugfrequenzen sinken und die Wettbewerbsfähigkeit der Fluggesellschaft schwindet.


Berlins Konnektivitätsparadoxon

Berlin ist Europas größte Hauptstadt ohne eine dominierende Drehkreuzfluggesellschaft. Anders als Paris oder Amsterdam ist sie stark vom Direktverkehr abhängig – maßgeblich getrieben von Billigfluggesellschaften. Dieses Modell funktionierte gut, solange die Kosten niedrig und der Wettbewerb groß war.

Ryanairs Rückzug offenbart die Anfälligkeit dieses Systems. Weniger Flüge werden voraussichtlich höhere Preise bedeuten, insbesondere auf preissensiblen Urlaubsstrecken. Der Kurzstreckentourismus – Wochenendbesucher aus Süd- und Osteuropa – könnte zurückgehen. Geschäftsreisende, die ohnehin weniger preissensibel sind, werden leichter zu etablierten Fluggesellschaften wechseln, allerdings zu höheren Kosten.

Es gibt eine tiefere Ironie. Der lange verzögerte Berliner Flughafen wurde unter anderem gebaut, um die Konnektivität und die wirtschaftliche Integration zu verbessern. Doch seine Preisstruktur birgt die Gefahr, genau dieses Ziel zu untergraben.


Eine Warnung für Germany Inc.

Der deutsche Luftfahrtsektor gleicht zunehmend einer teuren Insel in einem wettbewerbsintensiven Kontinentalmarkt. Obwohl die Politik Umweltziele und Haushaltsdisziplin betont, reagieren die Fluggesellschaften auf relative – nicht auf absolute – Kosten. Wenn der Betrieb von Deutschland aus deutlich teurer ist als von Polen, Italien oder dem Balkan, verlagern sich die Kapazitäten entsprechend.

Das geschieht bereits. Flugzeuge sind mobiles Kapital. Ryanairs Verlagerung von Flugzeugen in Niedriglohnländer ist keine Reduzierung, sondern eine Umverteilung – ein Spiegelbild des europäischen Wettbewerbs um Konnektivität. Städte in Süd- und Osteuropa profitieren von neuen Flugrouten, steigenden Touristenzahlen und damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteilen.

Deutschland hingegen riskiert eine schleichende Erosion: weniger Randstrecken, geringere Frequenzen und ein schwächerer Preiswettbewerb.


Strategische Kalkulation bei Ryanair

Für Ryanair entspricht dieser Schritt der langjährigen Strategie. Die Fluggesellschaft hat wiederholt ihre Bereitschaft gezeigt, Märkte zu verlassen – oder mit einem solchen Rückzug zu drohen –, in denen die Gebühren ein unerträgliches Maß überschreiten. Solche Entscheidungen dienen sowohl wirtschaftlichen als auch verhandlungstaktischen Zwecken.

Durch den Kapazitätsabbau signalisiert die Fluggesellschaft Flughäfen und Regierungen, dass die Nachfragesteigerung von niedrigen Gebühren abhängt. Sinken die Kosten, kehrt Ryanair oft genauso schnell zurück. Andernfalls findet das Wachstum einfach woanders statt.

In diesem Sinne wird Berlin nicht aufgegeben; es wird lediglich weniger priorisiert.


Wer füllt die Lücke?

Konkurrenten wie easyJet und Eurowings können zwar einen Teil der wegfallenden Kapazität auffangen, ihre Kostenbasis ist jedoch höher. Dies deutet eher auf einen Strukturwandel als auf eine einfache Substitution hin: weniger Billigflüge und eine Neuausrichtung hin zu Reisen im mittleren Preissegment.

Langfristig könnte sich dadurch die Zusammensetzung der Berliner Besucherschaft verändern. Budgetreisende – Studenten, Wochenendtouristen und Kurzzeitbesucher – könnten leicht an Bedeutung verlieren, während kaufkräftigere Reisende relativ an Bedeutung gewinnen. Ob dies wünschenswert ist, hängt von der jeweiligen Sichtweise auf die Tourismuspolitik ab, dürfte aber für stark frequentierte Branchen wie das Gastgewerbe kaum neutral sein.


Die übergeordnete Lehre

Ryanairs Entscheidung in Berlin verdeutlicht eine grundlegende Wahrheit über den europäischen Luftverkehrsmarkt: Er ist zwar rechtlich einheitlich, aber kostentechnisch fragmentiert. Länder mit niedrigeren Steuern und Flughafengebühren subventionieren die Konnektivität und ziehen so Fluggesellschaften, Passagiere und Wirtschaftstätigkeit an. Länder, die dies nicht tun, müssen auf geografische Vorteile, Premiumnachfrage oder die Wirtschaftlichkeit von Drehkreuzen setzen, um dies auszugleichen.

Berlin verfügt über keinen dieser Vorteile im Überfluss.


Ein Wendepunkt

Die Frage ist nicht, ob Berlin vernetzt bleibt – das wird es –, sondern zu welchem ​​Preis und mit welcher Dichte. Vernetzung ist nicht binär; sie existiert auf einem Spektrum, das durch Frequenz, Bezahlbarkeit und Netzabdeckung bestimmt wird.

Die Stellenstreichungen bei Ryanair verschieben Berlin auf diesem Spektrum nach unten.

Für die politischen Entscheidungsträger ist die Wahl eindeutig: Entweder sie behalten die aktuellen Kostenstrukturen bei und akzeptieren einen schlankeren, teureren Luftfahrtmarkt, oder sie passen Gebühren und Steuern an, um im Wettbewerb um mobile Flugkapazitäten bestehen zu können.

Fluggesellschaften geben schließlich keine politischen Statements ab. Sie orientieren sich an den Zahlen.

Über die Autorin

Jürgen T Steinmetz

Jürgen Thomas Steinmetz ist seit seiner Jugend in Deutschland (1977) kontinuierlich in der Reise- und Tourismusbranche tätig.
Er gründete eTurboNews 1999 als erster Online-Newsletter für die weltweite Reisetourismusbranche.

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