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Thailand geht gegen illegale ausländische Besitzverhältnisse im Immobilien- und Tourismussektor vor.

Investieren
Geschrieben von Jürgen T Steinmetz

Thailand verschärft sein Vorgehen gegen ausländische Investoren, die mithilfe thailändischer Strohmänner Eigentumsbeschränkungen umgehen. Die Behörden untersuchen Immobilienbesitz, Tourismusunternehmen und Briefkastenfirmen, die mit verschleierter ausländischer Kontrolle in Verbindung stehen. Die Kampagne markiert einen grundlegenden Kurswechsel bei der Durchsetzung von Vorschriften und setzt Investoren strafrechtlichen Sanktionen, Abschiebung, Vermögensbeschlagnahmungen und Zwangsverkäufen von Immobilien aus.

Das riskante Untergrundsystem, das Ausländern die Kontrolle über thailändische Unternehmen ermöglicht – und warum Bangkok hart durchgreift

Offiziell gehört das Unternehmen einem thailändischen Staatsbürger.
Die Aktionäre sind ortsansässig. Die Registrierung scheint ordnungsgemäß zu sein. Die Unterschriften sind in Ordnung.

Doch hinter vielen Bars in Phuket, Villenanlagen in Koh Samui, Logistikfirmen in der Nähe von Bangkok und Exportunternehmen in den östlichen Provinzen, so sagen thailändische Ermittler, sind die wahren Eigentümer oft Ausländer, die über versteckte Strohmann-Vereinbarungen agieren – eine seit langem bestehende Praxis, die nun vor ihrer ernsthaftesten rechtlichen Auseinandersetzung seit Jahrzehnten steht.

Die thailändische Regierung hat eine aggressive Kampagne gegen sogenannte „Scheinbesitzverhältnisse“ gestartet. Dabei stellen thailändische Staatsangehörige ihre Namen für Unternehmen oder Grundstückskäufe zur Verfügung, die faktisch von ausländischen Investoren finanziert und kontrolliert werden. Die Behörden warnen, dass diese Praktiken gegen das Gesetz über ausländische Unternehmen verstoßen und Sektoren untergraben, die thailändischem Eigentum gesetzlich vorbehalten sind.

Das harte Vorgehen spiegelt eine wachsende Spannung innerhalb einer der internationalsten Volkswirtschaften Südostasiens wider: Wie lassen sich ausländische Investitionen fördern und gleichzeitig die nationale Kontrolle über Land, Tourismus, Einzelhandel und strategische Industrien bewahren?

Jahrelang befanden sich Treuhandstrukturen in einer Grauzone des thailändischen Handels – sie wurden unter Anwälten, Immobilienmaklern und ausländischen Investoren als „offenes Geheimnis“ hinter vorgehaltener Hand diskutiert. Heute signalisieren die Regulierungsbehörden, dass diese Ära zu Ende gehen könnte.

„Die 51%-Illusion“

Nach thailändischem Recht dürfen die meisten beschränkten Unternehmen nicht mehrheitlich in ausländischem Besitz sein, es sei denn, sie erhalten eine Sondergenehmigung in Form einer ausländischen Geschäftslizenz, einer Förderung durch das Board of Investment oder einer Ausnahmeregelung gemäß einem Abkommen. In vielen Fällen dürfen Ausländer nicht mehr als 49 Prozent der Anteile halten.

Die Umgehungslösung war trügerisch einfach.

Thailändische Staatsangehörige – mitunter Freunde, Angestellte, Ehepartner, Fahrer, Buchhalter oder bezahlte Stellvertreter – würden formell die Mehrheit der Anteile halten. Ausländische Investoren würden das Kapital bereitstellen, das operative Geschäft führen und die faktische Kontrolle durch Nebenabreden, Stimmrechtsvereinbarungen oder Vorzugsaktien behalten.

Die Struktur ermöglichte es ausländischen Investoren, Land zu kaufen, Tourismusunternehmen zu betreiben oder die Kontrolle über Sektoren zu behalten, die ansonsten gesetzlich eingeschränkt wären.

Doch die thailändischen Regulierungsbehörden argumentieren zunehmend, dass die Eigentumsanteile allein nicht über die Legalität entscheiden.

„Die 51-prozentige thailändische Beteiligung bietet keinen rechtlichen Schutz“, hieß es in einer kürzlich erschienenen Rechtsanalyse. Darin wurde betont, dass die Behörden nun untersuchen, wer die Aktien finanziert hat, wer die Entscheidungsfindung kontrolliert und wer den wirtschaftlichen Nutzen daraus zieht.

Mit anderen Worten: Die Behörden fragen nicht mehr nur, wer in den Handelsregistereinträgen erscheint. Sie fragen, wem das Unternehmen tatsächlich gehört.

Eine landesweite Untersuchung

Die aktuelle Durchsetzungswelle beschleunigte sich im Jahr 2025 und intensivierte sich im Jahr 2026 nochmals.

Das thailändische Ministerium für Wirtschaftsentwicklung, das Grundbuchamt und das Zentrale Ermittlungsbüro haben mit der Koordinierung von Ermittlungen zu mutmaßlichen Strohmann-Vereinbarungen in Sektoren begonnen, die als besonders anfällig für verdeckte ausländische Eigentumsverhältnisse gelten.

Laut Behördenangaben zählen Tourismus, Hotels, Immobilien, Logistik, Landwirtschaft und Bauwesen zu den Hauptzielen.

Die Ermittlungen stützen sich zunehmend auf Finanzverfolgung und digitale Analysen anstatt auf einfache Aktionärsregister.

Neu in diesem Jahr eingeführte Vorschriften verlangen von thailändischen Aktionären, die an bestimmten Unternehmensregistrierungen beteiligt sind, den Nachweis ihrer tatsächlichen finanziellen Leistungsfähigkeit, einschließlich Kontoauszügen, aus denen hervorgeht, dass sie über ausreichende Mittel verfügen, um Aktien selbstständig zu erwerben.

Thailändische Behörden haben außerdem neue Analysesysteme eingeführt, die in der Lage sind, Aktionärsstrukturen, Direktorenposten und Kapitalflüsse in verschiedenen Regierungsdatenbanken abzugleichen.

Die Botschaft aus Bangkok ist unmissverständlich: Strohmann-Beteiligungen werden nicht länger als formale Verstöße in den Unternehmensunterlagen betrachtet. Sie werden zunehmend als nationale Priorität bei der Durchsetzung von Vorschriften behandelt.

Die Landfrage

Im Zentrum des Vorgehens steht ein politisch heikleres Thema als das Eigentum von Unternehmen: das Land.

Ausländer können in Thailand grundsätzlich kein Land direkt besitzen. Dennoch werden Luxusvillen und Bauprojekte in vielen Ferienorten seit Langem mit Unternehmen in Verbindung gebracht, die im Verdacht stehen, über thailändische Strohmänner zu operieren.

Nun warnen die Behörden vor härteren Konsequenzen.

Das thailändische Amt für Landangelegenheiten kündigte kürzlich erweiterte Untersuchungen zu ausländischen Landbesitzmodellen unter Beteiligung thailändischer Strohmänner an und warnte, dass Zuwiderhandelnde mit Zwangsverkäufen, Geldstrafen und strafrechtlicher Verfolgung rechnen müssten.

Einige der vorgeschlagenen Gesetzesänderungen gehen sogar noch weiter.

Laut mehreren juristischen Analysen erwägen die thailändischen Behörden Maßnahmen, die es ermöglichen könnten, illegal besessenes Land ohne Entschädigung an den Staat zu verfallen – eine drastische Verschärfung der traditionellen Maßnahme des erzwungenen Weiterverkaufs.

Für Anleger, die glaubten, dass Treuhandvereinbarungen ein überschaubares rechtliches Risiko darstellten, sind die Auswirkungen gravierend.

Eine Struktur, die einst als „Standardverfahren“ vermarktet wurde, könnte Eigentümer nun strafrechtlichen Sanktionen, der Beschlagnahme von Vermögenswerten und dem Totalverlust ihrer Immobilieninvestitionen aussetzen.

Unternehmen unter Beobachtung

Jüngste Untersuchungen zeigen, wie tief Strohmannstrukturen Teile der thailändischen Wirtschaft durchdrungen haben könnten.

Anfang dieses Jahres identifizierten die Behörden mehrere Obstverpackungs- und Exportunternehmen, die im Verdacht stehen, thailändische Aktionäre als Strohmänner für ausländische Betreiber zu nutzen.

Auch Luxusvillenprojekte auf Touristeninseln haben Aufmerksamkeit erregt. Ermittler vermuten, dass einige Projekte unter ausländischer Kontrolle stehen, die hinter einer Vielzahl thailändischer Aktionäre mit geringer tatsächlicher finanzieller Beteiligung verborgen ist.

In Hua Hin, Phuket und Koh Samui sind Immobilienbesitzer Berichten zufolge zunehmend besorgt über die rückwirkende Überprüfung von Eigentumsstrukturen, die vor Jahren etabliert wurden.

Die Folgen können schwerwiegend sein.

Nach dem Foreign Business Act drohen sowohl dem ausländischen Investor als auch dem thailändischen Strohmann Gefängnisstrafen, erhebliche Geldstrafen und die Schließung des Unternehmens, wenn die Behörden feststellen, dass eine Strohmannvereinbarung vorliegt.

Für ausländische Staatsangehörige sind auch Abschiebung und Aufnahme in eine schwarze Liste mögliche Folgen.

Angst innerhalb der Expat-Wirtschaft

Das harte Durchgreifen verändert die Diskussionen in der gesamten ausländischen Geschäftswelt Thailands.

Anwaltskanzleien berichten von einer steigenden Nachfrage nach Unternehmensumstrukturierungen, Compliance-Prüfungen und BOI-Anträgen, da Investoren nach rechtlichen Alternativen zu Treuhandvereinbarungen suchen.

Manche Auswanderer befürchten, dass die Behörden sich weiterentwickelnde Standards rückwirkend auf Strukturen anwenden könnten, die vor Jahren unter weniger strengen Durchsetzungsbedingungen geschaffen wurden.

Andere argumentieren, dass der Ansatz der Regierung die Investitionsstimmung in einem Land, das stark von internationalem Kapital und Tourismus abhängig ist, zu verunsichern drohe.

Über die Autorin

Jürgen T Steinmetz

Jürgen Thomas Steinmetz ist seit seiner Jugend in Deutschland (1977) kontinuierlich in der Reise- und Tourismusbranche tätig.
Er gründete eTurboNews 1999 als erster Online-Newsletter für die weltweite Reisetourismusbranche.

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