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Der Tourismus in Moldawien mit seinem kulturellen Erbe wurde zu einer Priorität des UNDP

UNDP
Geschrieben von Jürgen T Steinmetz

Durch die Restaurierung, Erhaltung und Förderung kultureller und historischer Stätten entsteht ein attraktiveres und vielfältigeres Tourismusangebot. Dadurch kann sich ein Land als wettbewerbsfähiges Reiseziel positionieren, mehr Besucher anziehen und weitreichende wirtschaftliche Vorteile generieren. Moldawien hat dies verstanden.

Die führende Organisation der Vereinten Nationen für internationale Entwicklung, UNDP, arbeitet in 170 Ländern und Gebieten daran, Armut zu beseitigen und Ungleichheit zu verringern. Dazu gehört auch Moldawien.

Durch Restaurierung und Konservierung werden Kulturstätten zu zentralen Punkten von Routen, die auch andere lokale Attraktionen (wie Wandern, Gastronomie, Kochworkshops und andere lokale Erlebnisse) umfassen.

Dies ermutigt Touristen, mehr Zeit in der Region zu verbringen und mehr Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig entstehen im Umfeld dieser Attraktionen neue Arbeitsplätze (Führer, Wartungspersonal, Handwerker, Händler, Ladenbesitzer), was ein Gefühl der Zugehörigkeit und einen direkten Nutzen für die Einwohner erzeugt und so die Entwicklung des Ortes und die Nachhaltigkeit des Tourismus sicherstellt.

Auf der Grundlage dieses Ansatzes und der Erfahrungen anderer Länder wie Zypern beschloss das UNDP im Januar 2020 gemeinsam mit der Europäischen Union, die Kulturerbestätten zu ermitteln, die die Menschen an beiden Ufern am meisten schätzen.

Das UNDP lud Menschen aus Gemeinden an beiden Ufern des Nistru ein, Stätten vorzuschlagen, die sie gerne restauriert und/oder erhalten sehen würden. Aus 248 Vorschlägen wählte ein Gremium aus lokalen und internationalen Experten 30 Stätten aus, die dann online zur Abstimmung gestellt wurden.

Mit mehr als 37,000 Stimmen – dem Ergebnis einer gemeinsamen Sensibilisierungskampagne – wurden zwölf Kulturerbestätten an beiden Ufern des Nistru ausgewählt, darunter zwei Vorzeigeprojekte: der Zirkus von Chișinău und die Festung Tighina (Bender). Sie wurden anschließend restauriert, um ihren historischen Wert zu bewahren und so den Tourismus und die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ufern des Nistru zu fördern.

Die in die beiden Vorzeigeprojekte, nämlich die Festung Tighina (Bender) und das Zirkusgebäude in Chișinău, investierten EU-Mittel beliefen sich auf über 3.6 Millionen Euro.

Die Restaurierung der Festung Tighina (Bender), die aus dem 15. Jahrhundert stammt, hat das touristische Potenzial dieses historischen Wahrzeichens weiter gesteigert und damit zur Entwicklung der lokalen Wirtschaft beigetragen.

Nach der ersten Phase der Restaurierung und Konservierung hat die Ausweitung des touristischen Angebots dazu beigetragen, dass sich die Gesamtzahl der Touristen, die das linke Ufer besuchen, fast verdoppelt hat, von etwa 26,000 im Jahr 2022 auf über 42,000 im Jahr 2024. Gleichzeitig hat sich die Zahl der ausländischen Besucher verfünffacht, von 1,002 auf 5,532.

Die Punkte verbinden: Ereignisse, Experimente, Schaltkreise

Restaurierung allein reicht nicht aus, um Touristen anzulocken. Deshalb unterstützten wir die Organisation kultureller Veranstaltungen auf dem Gelände der Festung Tighina (Bender), die inzwischen Kultstatus erlangt haben und das touristische Potenzial der Festung deutlich gesteigert haben. Nun ist sie im siebten Jahr in Folge zum Treffpunkt für über 2,000 Zuschauer von beiden Ufern geworden, die gemeinsam das Kulturprogramm des moldauischen Nationalen Jugendorchesters genießen.

Die Initiative zur Auswahl und Abstimmung von Kulturerbestätten – gefolgt von Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten und ergänzt durch gemeinsame kulturelle Veranstaltungen – zeigt, wie die Menschen an beiden Ufern Brücken des Vertrauens, des gegenseitigen Verständnisses und der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinschaften bauen können.

Da die Restaurierung historischer Wahrzeichen spezielles Fachwissen erfordert, bot unser Team Studierenden ein bezahltes Praktikum an, bei dem sie den Prozess live miterleben konnten. So hatten acht junge Menschen von beiden Ufern die seltene Gelegenheit, an den Restaurierungsarbeiten der Festung Tighina (Bender) teilzunehmen. Die jungen Menschen lernten von Experten praktische, international angewandte Restaurierungs- und Konservierungsmethoden kennen und waren selbst an einigen der Konservierungsarbeiten an der Festung beteiligt.

Die Erfahrungen dieses Praktikums waren auch ein Ansporn, zu zeigen, dass der Beruf des Gebäuderestaurators mehr als nur eine Notwendigkeit ist. In der Republik Moldau können junge Menschen den Beruf des spezialisierten Restaurators/Konservators von Baudenkmälern noch nicht wählen. Eine solche Spezialisierung kann im Ausland erworben werden, wobei Rumänien das nächstgelegene Ziel ist.

Wir setzen diesen Prozess nun mit vier weiteren historischen Kulturerbestätten an beiden Ufern des Flusses Nistru fort.

Wir haben intensiv über die Restaurierung kulturhistorischer Stätten kommuniziert, nationale und lokale Partner in den Prozess eingebunden und freuen uns, dass dieser Ansatz weiter unterstützt wird. So hat die Regierung der Republik Moldau kürzlich einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der eine wirksamere Unterstützung von Eingriffen an historischen Denkmälern vorsieht und die Beteiligung der Bevölkerung und des privaten Sektors am Denkmalschutz fördert.

Von einer zersplitterten Gemeinschaft von Praktikern zu einer Plattform für Zusammenarbeit

Im Jahr 2022 wurde eine flussübergreifende Tourismusplattform gegründet, um die Zusammenarbeit zwischen beiden Ufern des Nistru zu fördern und kulturelle Sehenswürdigkeiten in gemeinsame Tourismusrouten zu integrieren. Die Plattform vereint mehr als 40 Tourismusspezialisten und -organisationen von beiden Ufern des Nistru. Da der Mensch im Mittelpunkt jedes Reiseerlebnisses steht, hat die Plattform die Personalentwicklung in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten gestellt und 20 Fremdenführer von beiden Ufern ausgebildet und zertifiziert.

Dies verbessert nicht nur die Qualität der Tourismusdienstleistungen, sondern stärkt auch die flussübergreifende Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis.

Die Plattform ist für die Koordinierung der Interaktion zwischen den Teilnehmern des Tourismusmarktes an beiden Ufern des Flusses Nistru von entscheidender Bedeutung (z. B. Teilnahme an einem gemeinsamen Stand bei thematischen Ausstellungen im Ausland – Rumänien, Deutschland usw., Organisation gegenseitiger Informationsbesuche an beiden Ufern zur gemeinsamen Förderung von Touristenzielen, Ausarbeitung digitaler Präsentationsmaterialien von Tourismuseinheiten am linken Ufer zur Steigerung der Sichtbarkeit und Förderung).

Die Tourismusplattform trug zur Entwicklung neuer Tourismusprodukte bei, wie beispielsweise dem Touristenzug Chișinău-Tighina (Bender)-Tiraspol. Diese Initiative bietet einen doppelten Nutzen: Sie ermöglicht Besuchern die Erkundung kultureller und historischer Sehenswürdigkeiten und unterstützt gleichzeitig das Wachstum der Unternehmen entlang der Strecke. Zwischen 2023 und 2024 wurden sechs Informationstouren für rund 6 nationale Reiseführer organisiert – ein wichtiger Schritt zur Information und Einbindung einheimischer Touristen, eine oft ungenutzte Ressource.

Darüber hinaus haben Aktivitäten wie die Kartierung und Markierung zweier Touristenrouten sowie Radfahren und Wandern, die es Touristen ermöglichen, die Landschaft und ihre Authentizität unabhängig und sicher zu entdecken, weiter zum Wachstum des Inlandstourismus beigetragen.

Diese Reise hat uns davon überzeugt, dass das kulturelle Erbe nicht nur ein wertvolles Erbe der Vergangenheit ist, sondern auch eine strategische Säule für eine nachhaltige Tourismusentwicklung und die Stärkung des sozialen Zusammenhalts.

Koordinierte Bemühungen zur Restaurierung, Erhaltung und Förderung – durchgeführt in Partnerschaft mit den örtlichen Gemeinden und unterstützt durch Gesetzes- und Bildungsinitiativen – zeigen das wahre Potenzial des Kulturerbes, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Vorteile zu generieren.

Die Fortsetzung dieser Bemühungen wird dazu beitragen, das Kulturerbe in einen Motor der regionalen Entwicklung zu verwandeln und die Republik Moldau als authentisches und international wettbewerbsfähiges Reiseziel zu positionieren.

Über die Autorin

Jürgen T Steinmetz

Jürgen Thomas Steinmetz ist seit seiner Jugend in Deutschland (1977) kontinuierlich in der Reise- und Tourismusbranche tätig.
Er gründete eTurboNews 1999 als erster Online-Newsletter für die weltweite Reisetourismusbranche.

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