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Tourismus und Naturschutz treiben indigene Gemeinschaften in Tansania und darüber hinaus an den Rand des Abgrunds.

TZ IND
Geschrieben von Jürgen T Steinmetz

Tourismus- und Naturschutzprojekte verdrängen zunehmend indigene Gemeinschaften, von den Massai-Gebieten Tansanias bis zum Amazonas-Regenwald. Während der globale Reiseverkehr „unberührte Wildnis“ vermarktet, warnen Kritiker davor, dass die Ausweitung des Safaritourismus und die Ausdehnung von Schutzgebieten Vertreibungen, Gewalt und existenzielle Bedrohungen für indigene Völker weltweit zur Folge haben.


Nordtansania: Tourismus und Vertreibung

Auf den weiten Ebenen Nordtansanias, wo Safari-Jeeps im Morgengrauen im Leerlauf stehen und પ્રવાસ-Reiserouten Begegnungen mit „unberührter Wildnis“ versprechen, erzählt das Land zwei ganz unterschiedliche Geschichten.

Eines wird der Welt verkauft: Löwen, die durch goldenes Gras ziehen, die Große Migration, eine Landschaft ohne Menschen.

Die andere Seite ist die Realität: Dörfer geraten unter Druck, Weidewege werden abgeschnitten, und ein Volk – die Maasai – sieht sich der Aussicht gegenüber, aus dem Land vertrieben zu werden, das es seit Generationen bewohnt.

Aktuelle Pressemitteilungen von Survival International beschreiben, wie von der tansanischen Regierung unterstützte Vorschläge zu Folgendem führen könnten: Massenvertreibung von Maasai-Gemeinschaften aus wichtigen Schutzgebieten, darunter das Ngorongoro-Schutzgebiet – eines der bekanntesten Tourismusziele Afrikas.

Die Begründung lautet Naturschutz. Die Realität, so Kritiker, ist komplexer.


Die stille Expansion einer globalen Industrie

Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Tansanias und zieht jährlich Hunderttausende internationale Besucher an. Nationalparks und Naturschutzgebiete spielen dabei eine zentrale Rolle – und beeinflussen zunehmend auch Entscheidungen zur Landnutzung.

Laut Survival International ging der Ausbau der touristischen Infrastruktur und die Einrichtung von Naturschutzgebieten mit einer Verschärfung der Beschränkungen für die Landnutzung indigener Gemeinschaften einher. In einigen Gebieten wurde der Zugang zu Wasser, Weideland und grundlegenden Dienstleistungen eingeschränkt, wodurch Gemeinschaften faktisch zur Umsiedlung gezwungen werden.

Vertreter der Maasai argumentieren, dass ihnen die Umweltzerstörung angelastet werde, während der ökologische Fußabdruck des Tourismus – Straßen, Unterkünfte, Fahrzeugverkehr – weniger Beachtung finde.

Der Widerspruch ist eklatant: Landschaften, die als „unberührt“ vermarktet werden, hängen möglicherweise von der Vertreibung eben jener Menschen ab, die sie seit langem erhalten haben.


Naturschutz ohne Menschen

Die Idee, die Natur durch den Ausschluss menschlicher Bevölkerungen zu schützen, hat tiefe koloniale Wurzeln. Doch in Gebieten wie dem Ngorongoro-Krater ist dies auch ein relativ junges Phänomen.

Das Gebiet war ursprünglich als ein MehrzwecklandschaftDort, wo Naturschutz und die Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung nebeneinander bestehen konnten. Dieses Gleichgewicht gerät nun ins Wanken.

Neue politische Empfehlungen fordern die Beendigung der Besiedlung und der traditionellen Weidewirtschaft in bestimmten Gebieten – was die menschliche Präsenz selbst faktisch als unvereinbar mit dem Naturschutz definiert.

Für die Maasai, deren Kultur auf Viehzucht und saisonalen Wanderungen basiert, sind die Folgen existenziell.

Landverlust bedeutet nicht einfach nur Umsiedlung. Es bedeutet Verlust von Identität, Wirtschaft und Autonomie.


Ein Muster jenseits von Tansania

Globaler Druck auf indigene Gebiete

Bild

Die Spannungen in Tansania sind Teil eines umfassenderen globalen Musters.

Im Amazonasgebiet, in Südostasien und Teilen Afrikas werden indigene Gebiete – die oft zu den artenreichsten Regionen der Erde zählen – zunehmend ins Visier genommen von:

  • Bergbau und Protokollierung
  • Agrarwirtschaftsausbau
  • Energieprojekte
  • Naturschutz und Tourismusentwicklung

Survival International berichtet von einem Anstieg der Gewalt infolge dieser Belastungen. In Brasilien beispielsweise führten bewaffnete Angriffe auf indigene Gemeinschaften zu Tötungen im Zusammenhang mit Landkonflikten. Andernorts treiben illegaler Bergbau und Abholzung sowohl die Umweltzerstörung als auch humanitäre Krisen voran.

Besonders gefährdet sind die Länder der Welt unkontaktierte StämmeDiese Tiere besitzen nur geringe Immunität gegen Krankheiten von außen. Selbst ein begrenztes Eindringen in ihre Gebiete kann zu katastrophalen Populationsverlusten führen.

Kritiker warnen davor, dass ohne stärkere Schutzmaßnahmen ganze Gemeinschaften innerhalb weniger Jahrzehnte verschwinden könnten.


Die verborgene Rolle des Tourismus

Während die Rohstoffgewinnung oft am stärksten kritisiert wird, entwickelt sich der Tourismus zu einem weniger sichtbaren – aber zunehmend bedeutenden – Faktor der Vertreibung.

In Tansania hat sich das für Wildtierbeobachtungen, Safari-Konzessionen und naturschutzbezogenen Tourismus vorgesehene Land vergrößert, gleichzeitig aber auch der Druck auf die einheimische Bevölkerung zugenommen.

Kritiker argumentieren, dass dies ein Paradoxon erzeugt:

  • Der Tourismus ist abhängig von der Biodiversität und dem kulturellen Erbe.
  • Doch ihre Ausweitung kann beides untergraben

In einigen Fällen wird Land, das von seinen ursprünglichen Bewohnern geräumt wurde, als Wildnis umbenannt – seine menschliche Geschichte wird ausgelöscht, um den Erwartungen der Besucher gerecht zu werden.


Zwei Naturbilder

Im Zentrum dieser Konflikte steht eine grundlegende Meinungsverschiedenheit darüber, was Natur ist – und wer dazu gehört.

Ein im globalen Tourismus vorherrschendes Modell stellt sich die Natur als einen Ort ohne Menschen vor: geschützt, malerisch und abgeschieden.

Die andere Sichtweise, die von vielen indigenen Gemeinschaften vertreten wird, sieht den Menschen als Teil des Ökosystems – als Teilnehmer an dessen Gleichgewicht und nicht als Bedrohung dafür.

Die Forschung hat zunehmend gezeigt, dass von indigenen Völkern verwaltete Gebiete oft eine gleichwertige oder sogar höhere Artenvielfalt aufweisen als Schutzgebiete ohne menschliche Präsenz.

Dennoch begünstigen politische Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Anreize weiterhin den Ausschluss.


Die Herausforderungen für die Reisebranche

Für den globalen Tourismussektor lassen sich die Auswirkungen immer schwerer ignorieren.

Reisende fühlen sich zunehmend zu Erlebnissen hingezogen, die als nachhaltig und ethisch vermarktet werden. Doch die Situation in Tansania und anderswo wirft schwierige Fragen auf:

  • Kann Tourismus nachhaltig sein, wenn er lokale Gemeinschaften verdrängt?
  • Wer profitiert wirtschaftlich von Naturschutzlandschaften?
  • Und wessen Geschichten werden in der Erzählung ausgelassen?

Die Zukunft der Branche hängt möglicherweise davon ab, wie sie diese Fragen beantwortet.


Ein Wendepunkt

Zurück im Norden Tansanias sind die Ebenen nach wie vor so weitläufig und schön wie eh und je.

Die Touristen kommen weiterhin an. Die Wildtiere streifen weiterhin umher.

Und die Massai leisten weiterhin Widerstand.

Ihr Kampf spiegelt eine umfassendere globale Auseinandersetzung wider – eine, die weit über ein einzelnes Land oder eine einzelne Branche hinausgeht. Es geht um Land, Identität und die konkurrierenden Vorstellungen davon, wie die wertvollsten Orte der Welt geschützt werden sollten.

Diese Visionen stehen vorerst noch im Konflikt zueinander.

Das Ergebnis könnte jedoch nicht nur die Zukunft der indigenen Völker prägen, sondern auch die Zukunft des Reisens selbst.

Über die Autorin

Jürgen T Steinmetz

Jürgen Thomas Steinmetz ist seit seiner Jugend in Deutschland (1977) kontinuierlich in der Reise- und Tourismusbranche tätig.
Er gründete eTurboNews 1999 als erster Online-Newsletter für die weltweite Reisetourismusbranche.

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