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Turkish Airlines erweist sich nach Betriebseinstellung der Golf-Airlines als Lebensretter der globalen Luftfahrt.

Neue Flüge von Istanbul nach Santiago mit Turkish Airlines
Geschrieben von Jürgen T Steinmetz

Nachdem die Fluggesellschaften aus der Golfregion ihren Betrieb eingestellt hatten, entwickelte sich Turkish Airlines rasant zum wichtigsten globalen Luftverkehrsknotenpunkt. Mit erweiterten Strecken, darunter London Stansted, und erhöhten Flugfrequenzen verbindet sie nun Kontinente in einem beispiellosen Ausmaß. Doch die stark gestiegene Nachfrage führt zu operativem Druck und stellt die Kapazität, die Belegschaft und die langfristige Widerstandsfähigkeit in der sich dramatisch verändernden globalen Luftfahrtlandschaft auf die Probe.

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ISTANBUL Als drei der weltweit einflussreichsten Langstreckenfluggesellschaften – Qatar Airways, Emirates und Etihad – ihren Betrieb abrupt einstellten, waren die Auswirkungen weit über die Luftfahrtindustrie hinaus spürbar. Innerhalb weniger Tage wurden die globalen Flugrouten grundlegend verändert, Lieferketten unter Druck gesetzt und Millionen von Passagieren mussten sich nach Alternativen umsehen.

Im Zentrum dieser Turbulenzen stand eine Fluggesellschaft, die schnell – und in vielen Fällen entschlossen – reagierte, um die entstandene Lücke zu füllen: Turkish Airlines, ein Mitglied der Star Alliance.

Zum Beispiel ersetzt Istanbul-Seychelles jetzt mehrere Fluggesellschaften aus der Golfregion, aber die Seychellen reagierten darauf, indem sie eine eigene nationale Fluggesellschaft gründeten, um zusammen mit Turkish Airlines Abhilfe zu schaffen.

Die in Istanbul ansässige Fluggesellschaft, die bereits für ihre zahlreichen Flüge in mehr Länder als jede andere Airline bekannt ist, hat sich nun in einer beispiellosen Rolle als wichtigstes Bindeglied zwischen den Kontinenten wiedergefunden. Von Europa bis Asien, von Afrika bis Australien – ihr Netzwerk weist mittlerweile eine globale Abhängigkeit auf, wie sie nur wenige Fluggesellschaften je erlebt haben.

„Wir erleben eine Nachfrage, die selbst unsere optimistischsten Prognosen übertrifft“, sagte ein hochrangiger Unternehmensvertreter, der aufgrund der Sensibilität laufender betrieblicher Anpassungen anonym bleiben wollte. „Das ist kein normales Wachstum. Das ist ein systemischer Wandel.“


Ein plötzliches Vakuum am Himmel

Die Aussetzung des Flugbetriebs der Golf-Fluggesellschaften – die lange als Säulen der globalen Luftfahrt galten – hat wichtige Verkehrsknotenpunkte wie Doha, Dubai und Abu Dhabi gespenstisch leer erscheinen lassen. Jahrelang dienten diese Flughäfen als entscheidende Umsteigepunkte zwischen Ost und West, Nord und Süd.

Ihr Fehlen hat Fluggesellschaften, Regierungen und Passagiere gleichermaßen gezwungen, ihre Reiserouten zu ändern.

Turkish Airlines, deren geografische Lage sich über Europa und Asien erstreckt, war in einer einzigartigen Position, um zu reagieren. Der Flughafen Istanbul, der bereits zu den größten der Welt zählt, hat sich rasant zum wichtigsten Drehkreuz für internationale Langstreckenflüge entwickelt.

Auf den Anzeigetafeln, auf denen früher eine Mischung internationaler Fluggesellschaften angezeigt wurde, werden heute zunehmend Abflüge von Turkish Airlines dominiert.


Expansion im Eiltempo

Die Fluggesellschaft hat Expansionspläne beschleunigt, deren Umsetzung unter normalen Umständen Jahre gedauert hätte.

Turkish Airlines gab diese Woche die Aufnahme von London Stansted als dritten Flughafen in der britischen Hauptstadt in ihr Streckennetz bekannt. Damit ergänzt die Fluggesellschaft ihre bestehenden Verbindungen nach Heathrow und Gatwick. Die Gesamtzahl der Ziele in Großbritannien erhöht sich dadurch auf sechs, und die wöchentliche Frequenz zwischen Großbritannien und Irland steigt im Sommerflugplan auf 168.

Die Führungskräfte bezeichneten die Expansion als sowohl strategisch als auch notwendig.

„Großbritannien bleibt einer unserer wichtigsten Märkte“, sagte Fuat Fırat, Vizepräsident für Vertrieb in Mittel- und Nordeuropa. „Diese Erweiterung stärkt die Konnektivität und bietet Passagieren, die unser globales Netzwerk nutzen, mehr Flexibilität.“

Branchenanalysten sehen den Schritt jedoch als Teil einer umfassenderen und dringlicheren Neuausrichtung.

„Das ist nicht einfach nur Marktwachstum – es ist eine Kapazitätssubstitution im globalen Maßstab“, sagte ein in London ansässiger Luftfahrtberater. „Turkish Airlines dringt in Strecken ein, die zuvor von Fluggesellschaften aus der Golfregion dominiert wurden. Das Tempo ist bemerkenswert.“


Chance trifft auf Belastung

Der rasante Aufstieg der Fluggesellschaft hat erhebliche Vorteile mit sich gebracht.

Die Passagierzahlen sind sprunghaft angestiegen, insbesondere bei Premiumreisenden und Vielfliegern, die zuvor Fluggesellschaften aus der Golfregion bevorzugten. Auch das Frachtaufkommen hat stark zugenommen, da Unternehmen alles daransetzen, die unterbrochenen Lieferketten aufrechtzuerhalten.

Doch die Belastung ist ebenso deutlich spürbar.

Die Flughafeninfrastruktur ist zwar umfangreich, wird aber auf die Probe gestellt. Die Einsatzkräfte arbeiten unter Hochdruck. Die Auslastung der Flugzeuge hat sich erhöht, sodass kaum Spielraum für Verspätungen oder Wartungsarbeiten bleibt.

„Es besteht ein reales Risiko der Betriebsmüdigkeit“, sagte ein Vertreter der europäischen Luftfahrtbehörde. „Eine derart schnelle Skalierung ist außerordentlich komplex.“

Die Angestellten berichten von längeren Schichten und kürzeren Abfertigungszeiten. Rekrutierungskampagnen laufen zwar, doch die Ausbildung neuer Piloten und Besatzungsmitglieder dauert Monate – Zeit, die die Fluggesellschaft nicht unbedingt hat.


Ein strategischer Balanceakt

Um den Anstieg der Passagierzahlen zu bewältigen, hat Turkish Airlines eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet:

  • Steigende Flugzeugbestellungen und kürzere Lieferzeiten
  • Ausweitung der Code-Sharing-Abkommen zur Erweiterung der Netzwerkreichweite
  • Einsatz fortschrittlicher Planungssysteme zur Optimierung von Routen und Kapazität
  • Prüfung der Nutzung sekundärer türkischer Flughäfen zur Entlastung Istanbuls

Die Fluggesellschaft steht zudem unter zunehmendem geopolitischem Druck. Regierungen haben sie hinter vorgehaltener Hand dazu aufgefordert, wichtige Strecken aufrechtzuerhalten, die für Handel, Tourismus und diplomatische Reisen von entscheidender Bedeutung sind.

„Es geht hier nicht mehr nur um die kommerzielle Luftfahrt“, sagte ein europäischer Beamter. „Es stehen nationale und internationale Interessen auf dem Spiel.“


Ein ungewisser Horizont

Zur Zeit, Turkish Airlines steht allein im Zentrum der globalen Vernetzung.

Ob diese Situation dauerhaft sein wird, ist noch unklar. Vieles hängt davon ab, ob und wann die Fluggesellschaften aus der Golfregion ihren Betrieb wieder aufnehmen. Ihre Rückkehr könnte den Markt rasch wieder ins Gleichgewicht bringen, den Wettbewerb wiederherstellen und die Passagierströme neu verteilen.

Bis dahin steht Turkish Airlines vor einer entscheidenden Bewährungsprobe.

„Es ist ein Moment außergewöhnlicher Chancen“, sagte der Londoner Analyst. „Aber auch eines außergewöhnlichen Risikos. Nur wenige Fluggesellschaften wurden jemals gebeten, so plötzlich einen so großen Teil des weltweiten Flugverkehrs zu befördern.“

Zurück am Flughafen Istanbul lässt das Tempo kaum nach. Flugzeuge starten weiterhin in stetiger Folge mit Zielen in Städte auf sechs Kontinenten.

In einer Welt, in der plötzlich einige der größten Akteure der Luftfahrtbranche fehlen, ist eine Fluggesellschaft unentbehrlich geworden – nicht aus Absicht, sondern aus Notwendigkeit.

Über die Autorin

Jürgen T Steinmetz

Jürgen Thomas Steinmetz ist seit seiner Jugend in Deutschland (1977) kontinuierlich in der Reise- und Tourismusbranche tätig.
Er gründete eTurboNews 1999 als erster Online-Newsletter für die weltweite Reisetourismusbranche.

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